Ein neues Jahr hat begonnen und ich hoffe doch sehr, dass ich es in den folgenden Zwölf Elf Monaten endlich schaffen werde, die Bauarbeiten abzuschließen und diesen Platz ein weiteres mal mit Leben zu füllen. Vor vielen Monaten fasste ich bereits den Plan, hier einmal etwas an Ordnung und Struktur walten zu lassen, doch geschehen ist seither nicht viel. Eigentlich gar nichts, wenn man die Gedanken, die ich mir gemacht habe, nicht zählen mag.
Und gedacht werden musste vieles. Einiges davon ist bereits zuende gedacht, anderes scheint eine Einbahnstraße zu sein, manches denkt sich eher wie ein Kreisverkehr, ohne die Möglichkeit abzubiegen. Gerade letzteres ist eine doch eher demotivierende Art des Voranschreitens, zumindest, wenn man sich irgendwann gewahr wird, dass jede erhaschte Inspiration doch wieder am minimalistischen Ausgangspunkt enden wird. – Doch was bedeutet das für diesen Blog?
Nun, als ich die Seite hier ins Leben gerufen habe, war es mir vorrangig wichtig, die Schrift möglichst kontrastreich in den Vordergrund zu stellen und auf spielerische und grafische Elemente weitestgehend zu verzichten. Jetzt ist eine solche Vorgehensweise natürlich bei wissenschaftlichen Texten, Gebrauchsanweisungen und Novellen durchaus anzuraten, doch stellt sich die Frage, ob es für multimediale Unterhaltung mit geringem, nachhaltigen Informationsgehalt auch der richtige Weg ist.
Im Grunde sprechen wir hier ja über ein Produkt. Und mit einem eben solchen verhält es sich in der Marktwirschaft, oberflächlich betrachtet, recht einfach: Ist das Produkt gut, steht es für sich selbst und überzeugt durch sich selbst. Überzeugt das Produkt nicht, benötigt es ein wenig Unterstützung, um an den Mann gebracht zu werden. Der größte und überflüssigste Scheiß lässt sich verkaufen, wenn ich nur genügend Ausrufezeichen, Blinkschrift und Farbe zur Präsentation nutze. Auslaufmodelle und Ladenhüter werden also “schreiend” an den Mann gebracht, während uns ein Reclam-Heftchen im Regal, schweigend, keinerlei Beachtung schenkt und trotzdem gekauft wird.
Analog dazu, lässt sich eine Internetpräsenz ähnlich “verkaufen”; schweigend oder schreiend.
Schreiende Beispiele gab es besonders in den pubertierenden Jahren des Internets sehr viele. Alles das, was in der Theorie möglich war, hat man auch umgesetzt. Mouseover-Effekte mit animierten Gifs hatten zwar in den wenigsten Fällen einen wirklichen Nutzen, aber wir bauten sie ein. Bilder und Fotos mussten vor allem eins sein: groß! Typographie war uns fremd und wir mischten uns die Schriftarten, formatierten fett, kursiv und unterstrichen, wie es uns gefiel. Wobei… ob es uns gefallen hat, wage ich in der Nachbetrachtung zu bezweifeln. Eher ergötzten wir uns wohl an den mannigfaltigen Möglichkeiten und befriedigten unseren Pioniergeist.
Als man annehmen konnte, dass die Zeit des Entdeckens schon längst verstrichen war und wir uns ausgelaugt und kraftlos von der Urgewalt unserer Ergüsse langsam erholten, kam wie aus dem Nichts eine neue Generation junger “Künstler” und forcierte unsere einst gemachten Fehler. Die “Generation Myspace” trat unser Erbe an und potenzierte unsere Experimentierfreude schier ins Unermessliche. Die Ergebnisse kann man heute zum Teil noch als Mahnmal der Geschichte, auf verwaisten Seiten in Augenschein nehmen und über die anarchistische Selbstgefälligkeit staunen. Das Motto dieser Seiten war stets ein: “Es ist mir egal, wie chaotisch es ist und wie lang die Ladezeiten sind – So bin ich eben!” Und die hundert Bilder, Videos, Soundfiles und Cliparts, die auf einer einzigen Seite, mit gefühlten hundert Metern Srcollbalken, Platz fanden, unterstützten diese eindringliche Botschaft.
So weit ich nun auch ausgeholt habe, erklärt sich vielleicht dadurch, warum ich auf meine alten Tage ein Freund der minimalistischen Darstellung geworden bin. Ich bin des Schreiens müde und zudem gibt es genügend andere, die sich gegenseitig mit ihren Organen übertrumpfen wollen. Ich muss kein Neongelb mehr benutzen, nur weil ich es kann.
Allerdings bin selbst ich nicht so dramatisch, dass ich schwarze Lettern auf weißem Grund präsentieren wollen würde. Leise, subtile Aufwertungen sollten also gestattet sein, ohne sich wie ein fauler Kompromiss anfühlen zu müssen. Leichte Farbtupfer, vielleicht hier und da ein Bildchen, eine Schattierung, möglicherweise sogar ein eingebettetes Video, das durch seine Bildersprache mehr sagt, als so manches klares Wort. – All das habe ich in der Vergangenheit hier ausprobiert und war mit den Ergebnissen mal mehr, häufig auch weniger zufrieden.
Gerade, wenn wir uns hier gegenseitig mit Musik bereichert haben, ist es sehr schade, dass die Beiträge oft schon kurze Zeit später kastriert worden sind, weil die verlinkten Youtube-Videos nicht mehr funktionierten. Die häufig etwas willkürlich wirkende Art, wie Urheberrecht hier vor allem in Deutschland gewahrt bleiben soll, ist sicherlich ein Thema, das mehr Raum einfordern würde, als ich im Moment bereit bin, aufzubringen. Und natürlich sollte auch klar sein, dass ich generell den Schutz und die Wahrung von Urheberrecht für immens wichtig halte. Tatsache für diese Seite ist jedoch, dass ein Austausch über Musik oft jegliche Attraktivität verliert, wenn die verlinkten Hörproben ins Nichts führen. Das “Video des Monats” oder auch die gemeinsamen “Liederabende” erfüllen ihren Zweck also nur für wenige Stunden oder Tage und werden dann für die Nachwelt zu unfertig wirkenden Einträgen zurückgestuft.
Es wäre in einem solchen Falle sicherlich eine Möglichkeit, Alternativlinks zu suchen und erneut einzubetten. Aber mal ehrlich: Mehrmals im Monat alte Inhalte auf Fehler zu untersuchen ist wohl in etwa so spannend wie Gras beim Wachsen zuzusehen. Ich jedenfalls kann mir da durchaus spaßigere Freizeitinhalte vorstellen und habe eigentlich weniger Lust dazu, Steine den Berg herauf zu rollen.
“Dann verzichte doch darauf!”, höre ich die Stimme der Weisen sagen. Tja, vielleicht ist das wirklich des Pudels Kern. Nicht ganz so diabolisch natürlich. Aber es stimmt schon irgendwie: Man bekommt regelrecht ein schlechtes Gewissen, wenn man musikalische Inhalte über Youtube konsumiert. Selbst bei den funktionierenden Videos erscheint mittlerweile vor meinem geistigen Auge ein diagonales “Urheberrechtsverletzung” quer auf dem Bildschirm. Ja, lacht ruhig! So sehr fühle ich mich schon als Verbrecher!
Mir ist derzeit also noch nicht so ganz klar, wohin der Weg führen wird und welche optischen Veränderungen sinnvoll wären. Ebenso wird die Zeit und die Momentaufnahme einer Laune zeigen, wie interaktiv ein Blog gestaltet werden kann, ohne selbst Urheber aller Materialien zu sein. Im Zweifel heißt das, selbst Videos zu drehen, Coverversionen aufzunehmen und Bilder selbst zu gestalten, damit man rechtlich unangreifbar bleibt. Wohl dem, der über die nötige Kreativität, das Talent und die Disziplin verfügt! Ich hingegen bin da eher ratlos. ;-)
Willkommen im Jahr 2012, dem Jahr, in dem die Welt nicht untergeht.