… ja, ich weiß!
Ein neckischer Dialog zwischen Prinzessin Leia und Han Solo, kurz bevor das Fliegerass in Karbonitfrischhaltefolie eingetütet wird, hat in den frühen 80er Jahren bereits vor der Pubertät meinen weiteren “liebenden” Werdegang beeinflusst. Natürlich hat dieser besagte Dialog auch die Frage aufgeworfen, wann man sich denn überhaupt geliebt fühlen darf? Sind es die Alltäglichkeiten, die “Liebesbeweis” sind, oder ist es die “kleine Aufmerksamkeit” von Zeit zu Zeit, die unsere Hormone tanzen lassen?
Ein paar Dinge habe ich auf meiner Weltenreise entdecken können. So, zum Beispiel, dass mein Vater an Muttertag immer Blümchen besorgte, meine Mutter ihm im Gegenzug zum Nikolaus immer eine Kleinigkeit an die Duschtür hängte, oder dass meine Oma mir immer, wenn ich in einem Spielzeugladen mehr als 10 Minuten vor einem Gegenstand ausharrte und so tat, als interessierte mich die Schrift auf der Verpackung, ihn mir kaufte. (Vermutlich weil ich noch weitere 10 Minuten da gestanden hätte und sie einfach nur nach Hause wollte… ;) )
All diese Dinge sind fein und lieb und sie machen glücklich. Leider haben sie aber auch einen recht rituellen Beigeschmack, der zwar alles andere als unangenehm ist, die Frage nach dem “Liebesbeweis” für mich aber in meiner Kindheit nicht wirklich ausreichend klären konnte. Weitere Studien und Beobachten mussten her! War es ein Liebesbeweis, wenn ich der betuchten Nachbarin eine Primel brachte, die ich zwei Straßen weiter ausgegraben hatte? Nein, ich glaube, ich brauchte nur Geld für eine “bunte Tüte” beim nächsten Kiosk. War es vielleicht aber ein Liebesbeweis, als ich zu meinem 14. Geburtstag, als ich Anfing “Konjunktion” nicht mehr von “Erektion” unterscheiden zu können, Kinderwollstrumpfhosen bekam, weil man angesichts des nahenden Sommers besorgt um meine Gesundheit war? Hm, vermutlich auch nicht. Immerhin war es in den Dingern leichter an Konjunktionen und nicht an Erektionen zu denken… ein erzieherisches Mittel?
Die Jahre zogen also ins Land und mittlerweile hatte ich mich damit abgefunden, dass mich trotz liebevollem Elternhaus, das Fernsehen wohl besser über die Liebe und den Liebesbeweis aufklären konnte. Zwar habe ich durch “Top Gun” nicht die Antwort gefunden, war jedoch sehr überzeugt von einer in Sepia gezeichneten Kelly McGillis, die im diffusen Abendlicht, das durch die…. ach, lassen wir das!
Ebenso war ich immer angetan, wenn Menschen in Filmen ihr Leben für andere riskierten, dabei im Angesicht des Todes noch einen lockeren Spruch auf den Lippen hatten und ich mir denken musste: “Wow! Was für ein Liebesbeweis!” – Dass die Situationen, in denen ich anderer Menschen Leben retten darf und meinen Vorbildern nacheifern durfte, kläglich scheiterten, lag nicht zuletzt daran, dass in meinem Umfeld alles Leben selten in Gefahr war und mir zudem sicherlich auch kein trockener und cooler Spruch eingefallen wäre. Schade, eigentlich…
Irgendwie gab mir das Leben nur Illusionen, anstelle der Antwort darauf, was denn ein echter, reiner und unverfälschter Liebesbeweis sein könnte. Alles war irgendwie so manipulativ, so selbstbeweihräuchernd, oder so verlogen, dass ich schon anfing zu glauben, dass sowohl die Familie, als auch die Ehe und Partnerschaft nur Institutionen sind, die das Leben in eine Bahn zwingen und trotz verlorener Eigenbestimmung das Warten auf den Tod mit etwas Sicherheit würzen. Aber dann, ja, dann kam nach langer Zeit des Suchens und des Kämpfens am Rande des Abgrunds des Aufgebens die Antwort auf meine Frage:
Gestern kam meine Freundin des Abends nach Hause und hatte einen Präsentkorb dabei. Nein, nicht so ein blumenverseuchtes Teil mit Schleifchen und Delikatessen, die aus bedrohten Tierarten gewonnen werden, sondern einen richtigen, auf mich maßgeschneiderten Präsentkorb: Kaffe, Tabak, Filter, Blättchen und Eistee.
Sara raucht nicht, trinkt keinen Alkohol und keinen Kaffee und ist ständig in begründeter Sorge um meine Gesundheit, weil ich all das oben genannte exzessiv betreibe. Und doch macht sie heimlich keinen Arzttermin für mich, zählt nicht die Zigaretten, die ich rauche, sondern sendet mir in einem Drogenpaket die lang gesuchte Antwort auf den Liebesbeweis:
“Ich werde nicht versuchen, dich zu ändern.”
;)
