Monatsarchiv: September 2009

Ich liebe Dich!

… ja, ich weiß!

Ein neckischer Dialog zwischen Prinzessin Leia und Han Solo, kurz bevor das Fliegerass in Karbonitfrischhaltefolie eingetütet wird, hat in den frühen 80er Jahren bereits vor der Pubertät meinen weiteren “liebenden” Werdegang beeinflusst. Natürlich hat dieser besagte Dialog auch die Frage aufgeworfen, wann man sich denn überhaupt geliebt fühlen darf? Sind es die Alltäglichkeiten, die “Liebesbeweis” sind, oder ist es die “kleine Aufmerksamkeit” von Zeit zu Zeit, die unsere Hormone tanzen lassen?

Ein paar Dinge habe ich auf meiner Weltenreise entdecken können. So, zum Beispiel, dass mein Vater an Muttertag immer Blümchen besorgte, meine Mutter ihm im Gegenzug zum Nikolaus immer eine Kleinigkeit an die Duschtür hängte, oder dass meine Oma mir immer, wenn ich in einem Spielzeugladen mehr als 10 Minuten vor einem Gegenstand ausharrte und so tat, als interessierte mich die Schrift auf der Verpackung, ihn mir kaufte. (Vermutlich weil ich noch weitere 10 Minuten da gestanden hätte und sie einfach nur nach Hause wollte… ;) )

All diese Dinge sind fein und lieb und sie machen glücklich. Leider haben sie aber auch einen recht rituellen Beigeschmack, der zwar alles andere als unangenehm ist, die Frage nach dem “Liebesbeweis” für mich aber in meiner Kindheit nicht wirklich ausreichend klären konnte. Weitere Studien und Beobachten mussten her! War es ein Liebesbeweis, wenn ich der betuchten Nachbarin eine Primel brachte, die ich zwei Straßen weiter ausgegraben hatte? Nein, ich glaube, ich brauchte nur Geld für eine “bunte Tüte” beim nächsten Kiosk. War es vielleicht aber ein Liebesbeweis, als ich zu meinem 14. Geburtstag, als ich Anfing “Konjunktion” nicht mehr von “Erektion” unterscheiden zu können, Kinderwollstrumpfhosen bekam, weil man angesichts des nahenden Sommers besorgt um meine Gesundheit war? Hm, vermutlich auch nicht. Immerhin war es in den Dingern leichter an Konjunktionen und nicht an Erektionen zu denken… ein erzieherisches Mittel?

Die Jahre zogen also ins Land und mittlerweile hatte ich mich damit abgefunden, dass mich trotz liebevollem Elternhaus, das Fernsehen wohl besser über die Liebe und den Liebesbeweis aufklären konnte. Zwar habe ich durch “Top Gun” nicht die Antwort gefunden, war jedoch sehr überzeugt von einer in Sepia gezeichneten Kelly McGillis, die im diffusen Abendlicht, das durch die…. ach, lassen wir das!

Ebenso war ich immer angetan, wenn Menschen in Filmen ihr Leben für andere riskierten, dabei im Angesicht des Todes noch einen lockeren Spruch auf den Lippen hatten und ich mir denken musste: “Wow! Was für ein Liebesbeweis!” – Dass die Situationen, in denen ich anderer Menschen Leben retten darf und meinen Vorbildern nacheifern durfte, kläglich scheiterten, lag nicht zuletzt daran, dass in meinem Umfeld alles Leben selten in Gefahr war und mir zudem sicherlich auch kein trockener und cooler Spruch eingefallen wäre. Schade, eigentlich…

Irgendwie gab mir das Leben nur Illusionen, anstelle der Antwort darauf, was denn ein echter, reiner und unverfälschter Liebesbeweis sein könnte. Alles war irgendwie so manipulativ, so selbstbeweihräuchernd, oder so verlogen, dass ich schon anfing zu glauben, dass sowohl die Familie, als auch die Ehe und Partnerschaft nur Institutionen sind, die das Leben in eine Bahn zwingen und trotz verlorener Eigenbestimmung das Warten auf den Tod mit etwas Sicherheit würzen. Aber dann, ja, dann kam nach langer Zeit des Suchens und des Kämpfens am Rande des Abgrunds des Aufgebens die Antwort auf meine Frage:

Gestern kam meine Freundin des Abends nach Hause und hatte einen Präsentkorb dabei. Nein, nicht so ein blumenverseuchtes Teil mit Schleifchen und Delikatessen, die aus bedrohten Tierarten gewonnen werden, sondern einen richtigen, auf mich maßgeschneiderten Präsentkorb: Kaffe, Tabak, Filter, Blättchen und Eistee.

Sara raucht nicht, trinkt keinen Alkohol und keinen Kaffee und ist ständig in begründeter Sorge um meine Gesundheit, weil ich all das oben genannte exzessiv betreibe. Und doch macht sie heimlich keinen Arzttermin für mich, zählt nicht die Zigaretten, die ich rauche, sondern sendet mir in einem Drogenpaket die lang gesuchte Antwort auf den Liebesbeweis:

“Ich werde nicht versuchen, dich zu ändern.”

;)


Der Titan

Nicht, dass der grippale Infekt, der mich seit Freitag Nacht meiner Sinne beraubt, etwas damit zu tun haben könnte, aber…

Nun, gestern saß ich lieb auf dem Sofa in unserer Küche und mein Blick fiel auf die Waschmaschine. Ich starrte bestimmt so zwei bis gefühlte 90 Minuten, um dann letztlich einzusehen, dass ich mal ein Foto von dem, was ich da sah, machen musste, damit ich nicht am nächsten Tage das Gefühl haben müsste, gänzlich bekloppt worden zu sein. Entweder ist mein Handy nun also kaputt, oder in meiner Waschmaschine lebt wirklich ein stählerner Titan… Aber seht selbst. ;)

Der Titan in meiner Waschmaschine

Der Titan in meiner Waschmaschine

Das Bild ist mit meinem Handy aufgenommen und daher sehr pixelig. Aber es ist nicht bearbeitet… da gruselt’s einem doch schon, wenn man sowas nach Feierabend, lieb auf seiner Couch sitzend, sieht, oder? ;)

Liebe Grüße,
Ingo


Über die Chefköche

Es ist in meinem Bekanntenkreis ja kein großes Geheimnis, dass ich ein doch nicht geringes Maß an Interesse für das Kochen hege. Gleichgesinnte wird es da auch nicht wundern, dass ich natürlich schon seit geraumer Zeit Mitglied bei “chefkoch.de” bin, der – meines Wissens nach – größten, deutschsprachigen Community rund ums Essen.

Vorweg: Ich bereue meine Mitgliedschaft nicht und viele Dinge, die handgeschrieben in meinem Kochbuch, oder in Times New Roman auf meinem Computer hinterlegt sind, stammen von eben dieser Seite. Gerade wenn es um Themen wie: “Ich möchte zu Hause den Filettopf so wie in meinem Stammlokal hinbekommen”, geht, bemüht sich ein Großteil der User um Hilfe und es ist wirklich erstaunlich, welche Tipps und Tricks dort gespeichert sind. (Die man am besten dann entdeckt, wenn man nicht die Rezeptedatenbank, sondern die – nach Kategorien geordneten – Foren durchstöbert.)

Dennoch hat mich die Seite heute wieder einmal erschaudern lassen. Auf der Suche nach Rezepten, lese ich mir gern auch die Kommentare durch, die oft eine deutlichere Sprache sprechen, als das eigentliche Rezept, zumal erst dort die eigentlichen Tipps zu finden sind. Zwei Dinge sind mir dort ins Auge gestochen und ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen sollte:

“Göga” und “Knaggi”

“Essen super, Göga hat’s geschmeckt!”, kann man vermehrt dort lesen und auch, wenn ich ein Kind der 70er und 80er bin und somit der – von einer Freundin meiner Mutter -  häufig verwendeten Trialversion “Göga” die Vollversion “Göttergatte” zuordnen kann, so war ich doch recht sprachlos, wie verbreitet diese bescheuerte ungewöhnlich klingende Abkürzung doch mittlerweile zu sein scheint. Ehrlich, das ganze Board ist voll von Frauen, die ihren testosteronverseuchten Mitbewohner mit “Göga” betiteln – ich denke, wenn man “Göga” mal in die Suchmaske dieser Seite eingeben würde, wäre die Ergebnisliste länger als die von “Schnitzel”, “Suppe” oder “Kartoffel”.

Da bin ich dann ganz lieb am Suchen und merke langsam, dass ich längst nicht mehr gezielt nach Rezepten Ausschau halte, sondern mir eigentlich nur noch die Beiträge heraussuche, die einen gefühlt hohen “Göga-Anteil” haben könnten, damit ich mich in meiner infantilen Art furchtbar gestört fühlen darf. Ich weiß, dass so mancher jetzt denken wird: “Hä? Was ist denn an Göga so schlimm? Das ist doch nur eine zärtlich gemeinte Verniedlichung.” – Dennoch fühle ich mich, wenn ich das Wort lese, nicht in einem durchaus professionell anmutenden Kochforum, sondern wie in einer Krabbelgruppe, in der twenty-four-seven die Teletubbies laufen. – Ich käm zum Beispiel nicht auf die Idee, meine Freundin liebevoll “FiLu” zu nennen, auch wenn das anderen Ortes tatsächlich ein Name ist. (…und mit dem Hintergrund der Abkürzung, die mir vorschwebte, hoffentlich nichts zu tun hat!)

Jetzt hat man mich (oder ich mich selbst? ;) ) ja aber noch nicht genug gequält und so blättere ich munter weiter und stoße dabei auf die bereits oben erwähnte Wortneuschöpfung “Knaggi”. Da dieses Wort häufig in Verbindung mit Glutamat und öffentlichen Kampfansagen an alle Geschmacksverstärker dieser Welt zu finden ist, konnte ich mir rasch zusammenreimen, dass es sich wohl um eine äußerst geschickte Idee handeln müsse, die beiden Marktführer auf dem Spielfeld der “fixen” Ideen einfach miteinander zu verrühren. – Grandios! – Ein Einfall einer vernachlässigten Hausfrau, der dieses ewige “Ma**i” und “Kn***” offensichtlich genau wie mir in dieser Spoiler-Schreibweise gehörig auf den Senkel gegangen ist und die mit dieser Kreation mit Sicherheit die Lacher und Schmunzel und Kicherer auf ihrer Seite gehabt haben wird. – Bescheuert klingt es trotzdem…

Aber mal im Ernst. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass solche Begriffe eine Gruppenzugehörigkeit schaffen und vielleicht beim ersten Hören sogar durchaus interessant klingen. Ebenso glaube ich, dass das Leben einer Hausfrau, mit einem frustriert und hungrigen Mann, der von der Arbeit kommt, nicht immer einfach ist. Dennoch möchte ich aber nicht glauben, dass es nach Frauenwahlrecht, der “Emma” und und einem weiblichen Bundeskanzler immer noch so viele unemanzipierte Frauen gibt, die sich in eine Nische kindlicher Verspieltheit flüchten müssen, um ihr Sein zu ertragen.

Dass es einen Konflikt der Generationen gibt und geben muss, ist mir klar. Ich habe auch gelernt, dass “Digga, hasse ma ne Mak” mit “Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir kurzfristig mit einer unverbindlichen Spende in Höhe eines Euros aushelfen?” zu übersetzen ist, aber ich mag nicht verstehen, oder kann es vielmehr nicht, warum die Mütter der Nation plötzlich der Evolution trotzen wollen und uns mit “Gaga-Sprache” wieder in die Steinzeit zurückschießen wollen. Steckt da etwa ein Masterplan dahinter? Wissen es vielleicht sogar die Delfine, die schließlich schon von dem Ende der Welt wussten, wenn man Douglas Adams glauben schenken mag? Ich weiß es nicht, aber ich darf ja auf eine Antwort hoffen… ;)

Liebe Grüße,

Ingo


Web 2.0

Nach dem langen Winterschlaf und der Inaktivität der letzten Jahre, habe ich langsam Geschmack an den neuen Möglichkeiten des Internets gefunden. Bereits vor über 10 Jahren durfte ich meine ersten Erfahrungen mit diesem – damals recht elitär anmutenden – Medium machen und so war ich es schnell gewohnt, über eMail und ICQ, Portokosten zu sparen. Allerdings habe ich die Weiterentwicklung nach dem Millenium komplett verschlafen und mich derweil auf meinem Handbuch “HTML 4.0″ von Stefan Münz zur Ruhe gebettet.

Die ersten Flashanimationen verursachten mir, ob hoher Ladezeiten aufgrund einer 56k-Internet-Verbindung, Magenschmerzen und ich hätte bis zum heutigen Tage sehr gut ohne diesen – zumeist sinnlosen – Datenbrei leben können. Ebenso habe ich nie so recht verstanden, warum sich Menschen eine Online-Präsenz zulegen, in der sie der Welt berichten, dass sie Eisbein zum Abendbrot hatten, danach das Mutantenstadl im Ersten gesehen und schließlich ungewöhnlich flüssigen Stuhlgang gehabt hätten.

Der mittlerweile überstrapazierte und abgenutze Satz “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!” schien mir übertragbar auf so manches, was sich auf Seiten egomaner und selbstverliebter Besserwisser so finden ließ. Da ich nun per se ein ziemlich arrogantes und rechthaberisches Arschloch sein kann, dachte ich bislang, es sei eine recht unkluge Idee, in diesem Sündensumpf mitmischen zu wollen. Gibt schließlich schon genügend Bits und Bytes, die täglich an der Idiotie der Menschen verzweifeln.

Tja, nun kommt es erstens ja meistens anders, und zweitens als man denkt! So bin nun auch ich endlich in der schönen, neuen Welt angekommen und bringe noch mehr bits und bytes zum quietschen. Der Grund für diesen Sinneswandel ist recht einfach zu nennen: Durch die unzähligen Möglichkeiten meines neuen Telefons beeindruckt, war es nur noch ein kleiner Schritt, diese genannten Möglichkeiten auch nutzen zu wollen. Die Zweifel, ob mein Hirnbrei nicht besser unerbrochen weiter in mir schlummern sollte und ich der Welt ja nicht wirklich etwas zu bieten haben würde, konnte ein lieber Freund mit folgenden Worten gekonnt negieren:

“Bewertest du Kino-Filme nach der “Action”? Geht
es immer darum, dass etwas “spektakuläres” Passiert? Nein, es geht
darum, dass Menschen gezeigt werden, Menschen, die denken, die fühlen,
die sich in (was auch immer für) Situationen wiederfinden und damit
umgehen und / oder diese reflektieren.”

Ich denke, er hat Recht mit seinen Zeilen. Es muss nicht immer selbstauferlegter Perfektionismus sein, keine gerade Linie, kein komplex durchdachtes Konstrukt, das vor Informationen nur so überquillt. Nein, es darf vielleicht auch einfach nur mal ein einfaches und bescheidenes Mitteilungsbedürfnis sein, gepaart mit der Liebe zum Wort und garniert mit einem kleinen Klecks Stolz. ;)

In diesem Sinne,
“Hallo Web 2.0!”


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