iSeliger

Vid of the Month; February

8. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Hey,

so ganz bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich nicht vielleicht schon an anderer Stelle auf den Song aufmerksam gemacht habe, aber sicherlich nicht auf das Video, das ich heute gefunden habe. ;)

Der Song selbst ist einer, zu dem man ganz gewiss ziemlich gut skaten und auch PvP in WoW* spielen kann, aber das Video fand ich dann doch nochmal grandioser als das Original. Der Junge, der das gemacht hat, versteht auf jeden Fall etwas von der Typographie, will ich meinen.

Genießt den Song, eure Jugend und die Kunst mit Anberlin und “A day late”.

Ein guter Song, den es in verschiedenen Versionen – u. a. auch mehrern Acousticsongs – auf youtube zu finden gibt.

Liebe Grüße und support your local bands,
Inge

*PvP in WoW: Player versus Player in World of Warcraft = Spieler hauen Spieler in einem bekannten Computerspiel gegenseitig auf den Kopf. Aber keine Angst, sind nur Pixel, also fürchtet nicht den nächsten Amoklauf, der von CDU-Politikern gern mit dieser Sparte der Freizeitunterhaltung in Verbindung gebracht wird. Die “Zocker”, die ich kenne, sind weitaus entspannter als die genannten Politiker selbst… ;)

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: 1

Die Schlächterin

2. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Da wir gestern so hübsch beim misslungenen Zubereiten von Speisen stehengeblieben sind, möchte ich dort anknüpfen und als Einleitung dazu die folgende Begebenheit präsentieren, die ich vor acht Jahren, während meiner Studienzeit in Oldenburg, erlebt habe. – Himmel, langsam sollte ich wirklich mal Kategorien einfügen und den Schmu hier ordnen…

Die Schlächterin

Manche Menschen, so meint man, seien zufällig entstanden. Als Gott kurz nicht aufgepasst hatte, da war es geschehen und nun müssen wir, die wir mutmaßlich willentlich erschaffen worden sind, mit ihnen umzugehen versuchen.

Da ist zum Beispiel diese Verkäuferin im Supermarkt, die sich zu Hause von ihrem Alten verprügeln lässt und mir die Bürde des Duldens und Erduldens zu übertragen versucht. Immer, aber auch immer, wenn ich an der Kasse stehe und gerade das Großmütterchen vor mir (das es sicherlich in seinem Leben nie einfach gehabt hat; die Wirtschaftskrise, dann der Krieg und dann auch noch die Demokratie) bezahlt hatte, nachdem es müh- und zeitselig seine Pfennige – oder Cents, wie es heute heißt – sortiert hatte, muss sich meine „Lieblingskassiererin“ einer ihrer Kolleginnen zuwenden und eine Frage äußern, die zu überleben es auch noch bis zur Mittagspause geschafft hätte. Komischerweise – das nur am Rande – stehe ich immer in der Schlange, die am längsten steht, ja, die sogar immer noch steht, wenn alle anderen Kunden längst das Gekaufte zu einem Mittagsessen verarbeitet haben. Wenn ich dann aber endlich meine Geldbörse zücke, um die Waren zu bezahlen und ohne auch nur den geringsten Zweifel über mein Glück aufkommen zu lassen, ja, wenn ich dazu endlich gekommen bin, dann schaut die Kassiererin mich angesichts eines Hundert-Euro-Scheins (den ich nun wirklich selten besitze; aber es kommt vor!) mit einer Mischung aus Unverständnis, Mitleid und schierem Zorn an. Meistens überwiegt Letztgenanntes. Das Wechselgeld wiederzubekommen, dauert dann meistens entsprechend lange und lässt mich die bösen Blicke der Kunden genießen, die eigentlich einem oder besser einer anderen vorbehalten sein sollten. – Nein, Einkaufen macht keinen Spaß, wenn man jedes Mal „Schuld und Sühne“ spielen muss.

Und da ich gerade vom Supermarkt rede: Eine – blöderweise wieder eine Frau – „Fleischereifachverkäuferin“ bringt mich meist noch bevor ich an der Kasse die Notwendigkeit dazu entdecke, zur Weißglut. Deutlich und ohne Anzeichen von Häme, äußere ich meinen Wunsch und werde hochgradig enttäuscht.

„Zwei Schnitzel bitte, wenn es geht, bitte mager und dünn geschnitten.“

Gelangweilt ergreift sie die kleine Forke und spießt hemmungslos und untrainiert die erstbesten, obenaufliegenden Fleischfladen auf, lässt sie unkontrolliert auf die Waage fallen, legt sich – dieses Mal antrainiert – Falten auf die Stirn, oberhalb der wissenden Augen und fragt, ob es sonst noch etwas sein solle. Fast kleinlaut versuche ich die Frau auf ihren Fehler aufmerksam zu machen, nicht ohne dabei zu vergessen, dass ich etwas von ihr möchte und nicht sie von mir.

„Ähm, könnten sie mir wohl die beiden Schnitzel geben, die da rechts neben dem Kasseler Nacken liegen?“ Ihre Falten bewegen sich gemeinsam mit den Augäpfeln wie die Wellen des Ozeans. Mit einer stinkigen Miene legt sie die eben genommen Schnitzel wieder auf das restliche tote Schwein und deutet vernichtend mit der Fleischergabel auf die von mir eben genannten, dünnen und mageren Schnitzel.

„Ja,“ höre ich mich sagen „wenn’s geht, genau die. Ja, die beiden!“

„Die sind aber auch nicht magerer“, höre ich sie zwischen dem diesmal noch unkontrollierterem Aufklatschen des Fleisches auf die Waage tonlos sagen und sehe mich angesichts der anderen wartenden und zahlenden Kunden genötigt, eine Antwort zu geben.

„Ich war mit dem Fleisch immer sehr zufrieden, aber“, ich versuchte zu scherzen: „je dünner, desto besser!“

„Wenn sie etwas Dünnes haben wollen, dann nehmen sie doch das Schweinefilet“ höre ich eine sarkastische Stimme, die – als sei es eine Anstrengung – gebannt auf die Abwaage starrt. „Das können sie sich selber schneiden!“

Mit leicht selbstkritischer Beobachtungsgabe fiel mir auf, dass bei schneiden ein kurzer Blitz durch meine Augen fuhr und schneiden mir – an diesem Punkt des sinnlosen Dialoges angekommen – ziemlich viel Freude bereitet hätte.

Natürlich konnte diese Fleischfachverkäuferin keine Gedanken lesen und so musste ich abermals meine liebevolle Stimme auf sie wirken lassen:

„Wenn ich Schweinefilet wollte, so hätte ich auch Schweinefilet gesagt. Alles was ich im Moment gerne hätte, wären zwei dünn geschnittene und magere Schnitzel.“

„Unsere Schnitzel sind alle gleich mager und gleich dünn geschnitten!“ kam als verständnislose Antwort und eigentlich hätte sie Bestätigung finden müssen, in den Blicken der Blinden hinter mir an eben diesem Fleischerstand, doch wollte sie ihren Orgasmus wohl noch etwas hinauszögern.

Wieder fühlte ich mich aufgefordert, etwas zu entgegnen, doch was mochte man schon sagen, wenn die Gegenargumente keine sind und wenn Trost nur in der schnellen Flucht zu finden ist?

Ich versuchte es mit Beherrscht- und –harrlichkeit: „Gute Frau, mir fällt ein kleiner Unterschied unserer Ansichten auf. Zwischen dem Schnitzel, dass ich sie bat, zu nehmen und dem, das sie mir anboten, besteht ein Unterschied wie er zwischen Tag und Nacht nicht größer sein könnte. Ihres, was ohne Zweifel auch sehr schmackhaft sein mag, misst ca. 1,5 Zentimeter in seiner Höhe, während meines, also das von mir bevorzugte, etwa nur die Hälfte dessen beträgt.“

Wäre ich an dieser Stelle auf die Faserung eingegangen, die gute Frau hätte mich mit ihrer Fleischergabel tot-gepiekt. Unter äußerster Anspannung stehend, registrierte ich das erste Gemurmel und über die Schulter blickend auch die ersten bösen Blicke. Da war wieder das Großmütterchen, das seit Zwölf Jahren hier einkaufte und stets sei alles nach des Führers Wunsch gewesen, da war auch die adrette, durchgestylte Emanze, die Tier nur für ihre Gäste kaufte, und nicht zu vergessen, war da auch die ansonsten gutmütige, beleibte Hausfrau, Mutter dreier Kinder, die schließlich andere Pflichten hatte, als dass sie ihre Zeit an der Fleischtheke vertrödeln konnte und mochte. Ja, das Volk um mich herum hatte es wahrlich nicht leicht.

Umso ernster spitzte sich die Lage für mich und um mich und natürlich die von mir erbetenen Schnitzel zu. Ehrlich gesagt, war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich sie überhaupt noch würde genießen können, wenn sich der Kauf schwerer noch als die steinzeitliche Jagd entwickelt hatte.

Von ihr kam keine Antwort. Jedenfalls keine verbale. Da stand sie also mit leicht angewinkelten Armen, die Forke immer noch in der wurstigen Hand, vor mir, hinter ihrem Wall aus Glas und totem Fleisch, Burgherrin, größer noch, Herrin und Allweisheit über dieses, ihr Territorium und die blutbefleckte Schürze war ihre Robe, das verwaschene Häubchen stolz getragene Tiara.

Gerade im Gedanken, Blitze aus meinen Augen zucken zu lassen und die als Folge dieser Naturgewalt gerösteten Fleischbrocken, die einst Burgfräulein waren, zwischen Gyros und eingelegtem Holzfällersteak einzusortieren, geschah das Wunder, das ich nicht einmal erbeten hatte.

Aus seinem gekachelten Verwurstungszimmer schritt der Fleischermeister hinter die Theke, in Händen ein großes Tablett mit frisch zerkleinertem Getier. Für den Moment, da er es in der Auslage drapierte, ruhten alle Blicke auf ihm und langsam, ganz langsam, sank das Zornbarometer aller Beteiligten, in Ehrfurcht erstarrt, vielleicht, weil der Fleischer ob seiner Statur den Eindruck hinterließ, er habe die gut 20 Pfund Fleisch, die er wie den Kopf eines Drachen als Trophäe in den Raum getragen hatte, selbst mit der Faust erschlagen, ausgeweidet und das rohe, noch pulsierende Herz des Tieres verspeist.

Während mancher Blick noch auf den Oberarmen des Drachentöters ruhte, hob dieser seinen Kopf, sah und erkannte mich als einen treuen Kunden, wischte eiligst seine Hände an der Schürze und reichte mir mit einem Lächeln die Hand über den Glaswall hinweg zum Gruße.

Dem Smalltalk und der Einladung zum privaten Schlachtefest im Oktober schloss sich die Frage an, ob ich denn schon „bekäme“. Mit einem triumphierenden Lächeln in Richtung der um ihre Burg beraubten Edelfrau entgegnete ich für alle Erstarrten hinter mir in der Schlange gut hörbar: „Nein!“

Das Vergnügen und die diabolische Genugtuung trugen einen leichten Sieg über Zorn und Menschenekel in mir davon, als der Meister seine Hände suchend in den Tiefen des ihm wohl bekannten Fleischberges verschwinden ließ, um kurz darauf das erste, dann nach einem weiteren fachmännischem Griff das zweite Schnitzel hervorzuzaubern. Schöner, edler, magerer und dünner noch als die von mir favorisierten, oben aufliegenden Stücke, waren dies die Schnitzel, die es verdienten zum Ambrosia gereicht zu werden.

Mit der fast mahnenden Erinnerung: „Im Oktober, ich sag’ dann noch mal Bescheid!“ reichte mir mein Retter, mein Held, mein Drachentöter und Chef über alle Burgfräulein die kleine Plastiktüte, lächelnd, kumpelhaft; Danke schön!

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: 1

Nudeln a la Chef

1. Februar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Am Anfang, als ich diese Seite hier grob mit ihren Inhalten geplant habe, ging ich davon aus, dass ich eine “Rezeptekategorie” einrichten und regelmäßig füttern würde. Da dies bislang nicht wirklich verwirklicht worden ist, möchte ich heute den Anfang in einer Größe machen, die hoffentlich für die Abstinenz der letzten Monate entschuldigt. Ich hoffe, dass ihr von meiner Eigenkreation “Nudeln a la Chef” ebenso begeistert sein werdet wie ich und warne schon einmal im voraus, dass es einige Zutaten benötigt, die etwas schwierig zu besorgen sein werden, doch zu der Zutatenliste später…

Es gibt diese Tage, da hat man den Kühlschrank gefüllt, könnte im Handumdrehen 6 verschiedene, schmackhafte Gerichte zubereiten, doch spürt man irgendwie, dass Schwein nicht befriedigen wird und man irgendwie nur etwas zum “Stochern” braucht. Idealerweise mit einem recht geringen Sättigungsfaktor, weil man ja möglichst lange stochern möchte. Zum bloßen rumpieken, aufspießen und hineinschaufeln sind Nudeln eigentlich immer recht gut geeignet, so dachte ich, und weil meine Version von Florindo Orlandos “Tortellini a la Nicola” mit soviel Sahne, Schmelzkäse und geriebenem Mozarella zubereitet wird, dass man nicht wirklich lange vergnügt ist, weil den Fetten der Tribut gezollt werden muss, habe ich für Notfälle immer einen Instantkram rumliegen, der mit reichlich Wasser, wenig Sahne und wenigen Handgriffen zubereitet ist.

Nun haben diese Wunderpülverchen ja die Eigenschaft, dass man getrost ihnen die Arbeit überlassen kann und selbst eigentlich gar nicht kochen muss. Eine Portion Erbsen sollte man vielleicht noch aus dem Tiefkühlfach oder der Dose entnehmen, Käse und Schinken schneiden können und ungekochte Nudeln in eine Auflaufform füllen können, ja. So einfach ist das. Mehr muss man eigentlich nicht machen, während das magische Pulverchen unverändert und nicht mit sonst üblichem Kram getuned wird, sondern einfach nur mal kurz auf der Herplatte aufkocht… Kommen wir zu der versprochenen Zutatenliste:

Nudeln
Erbsen
Sahne
Magisches Pulver
abgelaufenen Schinken
hirnamputierter Idiot

Mehr brauchen wir, neben “ein wenig” Wasser aus der Leitung auch gar nicht. Wenn ihr den Eindruck gewinnt, dass die beiden letztgenannten Zutaten die beiden von mir im ersten Absatz als die “schwierig zu besorgenden” bezeichneten sind, dann habt ihr richtig geraten. Zwar findet man Idioten an jeder Ecke, aber man hat sie meistens nicht beim abendlichen Kochen zur Hand. Ebenso dachte ich, dass es schwer sein müsste, einen abgelaufenen Kochschinken im Supermarkt zu bekommen, aber da hatte ich wohl ausgesprochenes Glück, als ich ihn heute mit dem Verfallsdatum von vor vier Tagen für einen stolzen Preis ergattern konnte.

Den angesprochenen Idioten, auch wenn er sich mir noch nicht gleich als solcher zu erkennen gab, hatte ich auch zur Hand, so dass ich mich freudig ans Werk machte. Wenn wir die Zutaten betrachten, so fällt auf, dass der einzige Geschmacksträger ja der Schinken ist, den ich leider in Begleitung recht unschöner Worte morgen in einen Laden zurücktragen, ihn garantiert aber nicht verzehren werde. Schade, also essen wir heute mal geschmacksneutral, schließlich erinnern wir uns noch rechtzeitig, dass wir einfach nur keine Arbeit haben wollen und stochern möchten!

Da waren die restlichen Zutaten also rasch in eine Auflaufform gefüllt, der Käse stand bereit und es galt, die kurz und hübsch aufgekochte Soße noch über die traurige Masse zu gießen. “Hm, die sieht ja irgendwie recht wässrig aus”, dachte der Idiot, der sich langsam zu erkennen gab, noch bei sich, als nahezu unangereichertes H2O in schnellem Gusse auf die Nudeln plätscherte. Mit unheilsschwangerer Befürchtung und Sorgenfalten auf der Stirn, griff Hein Blöd nach dem Messbecher. Er hatte zwar aus angegebenen 400 ml Wasser 450 gemacht, dafür aber auch etwas mehr Sahne zum andicken benutzt, denn geschmacklich würde sich bei erhöhter Flüssigkeitsmenge eh nichts ändern. Der Messbecher, den er an diesem Tage zum ersten Mal benutzt hatte, erzählte ihm eine sehr lehrreiche Geschichte.

Heimtückische Geschöpfe sind es, diese Messbecher. Mein altes Stück war recht treu, gab es doch nur eine Skala. Mein neues Stück verfügt da doch über mehrere und ich wählte wohl intuitiv, mit flüchtigem Blick, während ich in Gedanken das Wasser einfüllte und derweil mit meiner höchst spannenden Theorie beschäftigt war, wie man die Energiekrise lösen, den Hunger bekämpfen und ohne Waffengewalt den Weltfrieden sichern könnte – eine Geschichte, die ich sicher noch an anderer Stelle erzählen werde -, die Skala für “Mehl”… anders kann ich mir die knapp 800 ml nicht erklären, die letztlich für die ungewohnte und schier nicht vorhandene Konsistenz wohl verantwortlich sind. Nein, dagegen kommt kein fixes Pulverchen an, vergesst es!

Wenn man nun schon so ein Idiot gewesen ist, den das bloße Gewicht des Messbechers noch nicht mal wundern konnte, so setzt man natürlich noch einen drauf und packt dieses zum Scheitern verurteilte Zeug, in dem garantiert niemand rumstochern möchte, auch noch in den Ofen, weil man ja schließlich schon weitaus schwierigere Probleme in der Küche gelöst hat und sich sicherlich nicht von einem Fertigpäckchen austricksen lassen möchte. Nach 20 Minuten hat der Idiot schließlich einsehen müssen, dass nichts, aber auch gar nichts zu retten ist und hat seinen “Stocher-Trieb” an einem Rest Gurkensalat ausgelebt. Übrigens stand der im Kühlschrank genau neben mich angrinsenden Schweinerückensteaks, die ich tapfer ignorierte. Ich hätte heute in meiner Geistesabwesenheit vermutlich Tofu daraus gezaubert…

Wenn jemand also Interesse an “Nudeln a la Chef” haben sollte, so sei ihm gesagt, dass ich die Auflaufform, die noch gefüllt in der Küche steht, gern nochmal aufwärme! Guten Appetit und

liebe Grüße,
Ingo

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: 1

Liederabend

31. Januar 2010 · 1 Kommentar

So, ihr Lieben, weil ich offensichtlich etwas angeschlagen bin, dieser Tage, und weil wir erst den 31. Januar haben, so dass ich das Video of the Month für den nächsten Monat noch nicht auswählen darf, veranstalte ich einen Liederabend.

Aus Erfahrung weiß ich, dass unter all den Besuchern immer wenigstens einer ist, dem etwas ganz Bestimmtes gefällt, so werde ich an diesem, nicht ganz so schönen Tage, andere für mich sprechen lassen. Ich habe mich vorrangig heute den deutschen Liedermachern gewidmet, die ich einfach wahllos verlinken werde.

Angefangen habe ich mit dem Narrenschiff, weil ich den Text mag und weil ich die Kameraeinstellungen und die Beleuchtung toll finde.


Reinhard Mey – Das Narrenschiff (live)

Weitergemacht hab ich dann natürlich weiter mit Reinhard und brauchte etwas Beschwingendes. Ich kenne mich, ich sterbe kleine Tode, wenn ich nur politisch-gesellschaftskritische Texte höre. ;) Herausgekommen ist dann dies hier, weil ich grad vor wenigen Tagen in Liebe die Zeilen auf dem Grabstein zitierte:


Reinhard Mey – Mein Testament

Wenn man nun schmunzelnd und melancholisch über die Nachlassverwaltung nachdenkt, dann kommt man unweigerlich dazu, darüber nachzudenken, was denn eigentlich gewesen ist. Dazu ist Klaus Hoffmann immer eine gute Adresse, so habe ich gedacht.


Klaus Hoffmann – Die Mittelmäßigkeit (live)

Und weil ich schon mal bei dem Kerl gewesen bin, hab ich auch gleich, weil ich ja auch über die Liebe heute schon einmal gestolpert bin, das folgende gehört. Auch wenn du ausgehst, wie das Licht.


Klaus Hoffmann – Weil du nicht bist wie alle anderen (live)

Soviel erst einmal… der Liederabend ist noch nicht zu Ende, aber ich glaube, ich muss erstmal irgendwas wie Sido oder Bushido hören, damit ich wieder auf ein gesellschaftlich akzeptiertes Level herunterkomme… ;-)

Update:

Und weil man ja gar nicht anders kann, wenn man schon den Reinhard und den Klaus auspackt, dann muss man auch an einem deutschsprachigen Liederabend das gemeinsame Werk, das K.T. und ich gern während unserer gemeinsamen Zeit beim Trachtenverein gehört haben, würdigen.


Reinhard Mey, Klaus Hoffmann, Heinz Rudolf Kunze, Hans Scheibner – Alle Soldaten wollen nach Haus

Wenn schon HRK beim letzten Song mit seiner, auf mich unglaublich authentisch wirkenden Stimme, mitgesungen hat, so ist es natürlich nur ein kleiner Schritt, ihn noch mal einzeln zu würdigen. Dass der sein Lehrerdasein wie Mark Knopfler auch gegen Musik eingetauscht hat, ist mehr als bereichernd. ;)


Heinz Rudolf Kunze – Leg nicht auf

Selbstredend musste ich mir danach die immer wieder schöne Bürgerkriegserklärung anhören. Sie ist auch mit Musik, auch wenn man die nicht so einfach hört.


Heinz Rudolf Kunze – Bürgerkriegserklärung

Eigentlich wollte ich jetzt “Sie hacken auf mir rum” von Thomas D. und den Ärzten heraussuchen, aber da hab ich nur cover gefunden. Schade, meine Überleitung ist dahin.

Dann kommen halt am Liederabend die Ärzte ohne den großartigen Thomas daher… Hilft ja nüscht. Wer etwas älter ist, wird “Moskito” noch kennen. Dort begann einst die “Gaby & Uwe Saga”. Das war so herrlich Dr. Sommermäßig, dass man einfach nur freudig zwinkern kann. Dennoch lieber etwas, das mehr in die Gesamtkonzeption des Abends passt.


Die Ärzte – Junge

Zugegeben, der Abend sollte anders enden… Nehmen wir einfach eine Melodie, die ein 15jähriger geschrieben hat und lassen restlichen Gedanken ihren freien Lauf.

Mist… war doch mit Text… egal, alles besser, als Liebe ;)

In diesem Sinne,
knuddelige Grüße,
Ingo

→ 1 KommentarKategorien: 1

Fascettenliebe

31. Januar 2010 · 2 Kommentare

Es mag sehr provokant klingen, aber wer ist damals eigentlich, nachdem wir uns selbst domestiziert hatten, auf die wundersame Idee der einheitlichen, gesamtgültigen und vollkommenen Liebe gekommen? Also, ich meine damit, dass der kulturell geprägte und nicht der rein chemische Vorgang unsere Kultur an den Punkt gebracht hat, dass wir in einer einzigen Person so grundverschiedene Erwartungshaltungen und Wunschträume realisiert wiederfinden wollen, dass wir schon nicht mehr von Perfektion, sondern eher von Göttlichkeit reden sollten.

Finde ich mich in dieser Gesellschaft mit Mitte Dreißig wider, so muss ich doch von folgenden Dingen ausgehen, die meine Partnerin mir zu bieten haben muss:

- sie muss auf dem gleichen, oder ähnlichen, gesellschaftlichen Niveau sein
- sie muss auf dem gleichen, oder ähnlichen, geistigen Niveau sein
- sie muss trotz Verhütungsmittel potenziell gebärfreudig sein, sprich, Kinderreichtum versprechen können
- sie muss sexuell jederzeit attraktiv sein
- sie muss soziologisch harmonieren (primär in grundsätzlicher “Gleichgesonnenheit” und sekundär in alltäglichen Abläufen)
- sie muss ein “Freund” sein

Übertreibe ich? Klingt es zu kitschig und nach Klischée? – Im Grunde ist aber das oben genannte, was dieser Tage von einer “guten” Beziehung doch erwartet wird, oder nicht? Die Vollkommenheit, die perfekte Übereinkunft, allen Wissens zum Trotze, dass es so viele Unterschiede gibt, die eine solche Perfektion doch gar nicht zulassen können.

Alleine die Tatsache, dass man eine Frau, die man voller Zuneigung in den Arm nimmt, ansabbern und benässen soll, ist doch schon irgendwie komisch. Jemanden, den ich liebe, will ich in den Arm nehmen. Jetzt soll ich gleichsam lieben und auch noch den Schalter für die Begierde umlegen? Mir fällt es schwer. Ja, mir fällt es sehr schwer, daran zu glauben, dass Liebe und sexuelle Begierde auch nur annähernd etwas miteinander zu tun haben können. Schließlich liebe ich doch auch einige Leute, darunter vor allem auch Männer…

Der oben genannte Partner soll also all das eben oben Genannte leisten können, während man tatsächlich auch das selbe erfüllt? Entschuldigung, aber daran kann ich nicht so recht glauben. Man findet, so man sich nicht seines Individuums beraubt sehen möchte, einen Kompromiss, ja, aber mehr ist es doch nicht, oder?

Erklärt mir, wie Trieb und Vertrauen auf eine gemeinsame Stufe zu stellen sind und ich werde üben, versprochen!

Liebe Grüße,
Ingo

→ 2 KommentareKategorien: 1

Dinge, die die Welt nicht braucht

14. Januar 2010 · 2 Kommentare

Nach einem Telefonat mit meinem Internetanbieter, ist gewiss geworden, dass ich noch bis zum 28. Januar ohne stationäres Internet und Telefon sein werde. Obwohl ich mit dem Anbieter Arcor bislang sehr zufrieden gewesen bin, lässt die Übernahme durch Vodafone doch deutlich gemischtere Gefühle bei mir zurück, obwohl sich doch laut eines Schreibens “nichts” ändern sollte.

Mein erster Versuch mit dem – heute üblichen – Sprachcomputer scheiterte kläglich, weil er mir nach dem Eingeben der Kundennummer fast vorwurfsvoll mitteilte, dass diese nicht existiere, großzügigerweise wolle er mich aber nicht meiner Unfähigkeit, eine Zahl einzutippen, überlassen, sondern versprach mir, nach langem und kostenpflichtigem Gesülze, dass sich ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut gleich meiner geistigen Verwirrtheit erbarmen würde, nur um sich nach weiteren kostenpflichtigen Sekunden wieder zu Wort zu melden und mir mitzuteilen, dass leider alle möglichen Leitungen belegt seien und ich es später nochmals versuchen solle.

Mein zweiter Versuch begann und endete genau wie der erste, nur mit dem Unterschied, dass ich mir nur die Hälfte des Geblubbers anhören musste, weil ich ja nun die zu drückenden Tasten, um mein Anliegen vorzutragen, kannte. Ergebnisse verwehrte mir die leicht aufmüpfig klingende Stimme dennoch hartnäckig.

Beim dritten Versuch, oh Wunder, gab es mich plötzlich als Kunden und die vorher fast respektlose Stimme begrüßte mich nun überschwänglich mit Namen und leitete mich ohne große Umwege an einen Sachbearbeiter weiter. Seit diesem Moment zahlte ich zwar immernoch fleißig, fühlte mich jedoch bei dem kompetenten und geschult freundlichen, jungen Mann in den besten Händen. Warum nicht gleich so?

Ohne Frage, blicke ich der technologischen Entwicklung stets aufgeschlossen entgegen. Wenn eine solche Entwicklung aber ineffizient ist und den Eindruck hinterlässt, hier wolle man nur ein paar Euro nebenher verdienen, dann gibt es schon einen berechtigten Grund für Kritik.

Wenn man nicht weiß, wie man das Tonband mit gezielten Tastendrücken sein Gesülze überspringen lässt, dann bekommt man erst nach einer Minute voller Höflichkeitsfloskeln, die mich so unpersönlich, von Band gesprochen, mal so gar nicht interessieren, die erste Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen. Bis zur “Endlösung” vergehen mehrere Minten, die größtenteils schweigend und hirnlosem Gelaber lauschend, abgesessen werden, während das Taxometer munter weiter tickt.

Drei Minuten zu telefonieren, dafür abkassiert zu werden und am Ende zu hören: “Sorry, keiner da!”, macht den Sprachcomputer in meinn Augen zu einer kundenunfreundlichen Abzocke. Man überlege: Ich verbrachte drei mal drei Minten mit einem Tonband, das mir nicht helfen konnte, habe die Schilderung meines Problems und die vorgeschlagene und zufriedenstellende Lösung mit dem Sachbearbeiter in einer Minute erörtern können…

Wenn ich, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, doch mal Kinder haben sollte, so werde ich Ihnen dringlichst von der überfüssigen Karriere als Sprachcomputer abraten!

Liebe Grüße,
Ingo

→ 2 KommentareKategorien: 1

Video of the Month: January

8. Januar 2010 · 7 Kommentare

Hey,

ich weiß nicht, ob es genau die Tour war, die mein ältester Freund damals als CD rauf und runter gehört hat, aber ganz sicher war es dieses Lied, das uns beide in seiner Live-Version fasziniert hat. 1989 und “Love Town” müsste eigentlich hinkommen, wenn ich so zurückblicke, aber wie ich sagte, ich kann irren.

Den erwähnten Freund habe ich kennengelernt, als ich gerade mal 4 Jahre alt gewesen bin. Mittlerweile ist das nun über dreißig Jahre her und über manche Erinnerung könnte ich schreiben. Ich möchte es heute aber bei diesem Lied belassen und grinsend und zwinkernd an eine schöne Zeit zurückdenken.


U2 – All I want is you (mit dem großartigen Tim Adam Clayton am Bass ;)

Liebe Grüße,
Ingo

→ 7 KommentareKategorien: 1

…und alle Ecken müssten rund sein!

8. Januar 2010 · Hinterlasse einen Kommentar

Ja, ja, ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag im alten Jahrtausend, als Tim und ich über die Möglichkeiten nachdachten, die sich ergäben, wenn wir denn mal “Gott” sein könnten. Kranke Geister schaffen da – damals vielleicht auch noch durch Cannabis-Konsum verstärkt – viele leidenschaftliche Gedanken in kurzer Zeit!

Eigentlich war das Träumen schon beendet, da erinnere ich weiter, dass ich mich beim Aufstehen fürchterlich mit dem Knie an der Tischkante gestoßen habe und eben in diesem Moment griff ich das eigentlich schon ausdiskutierte Thema wieder auf und sagte unter Schmerzen gekrümmt den Satz, der da so verheißungsvoll als Überschrift steht. “Und alle Ecken müssten rund sein! *aua*”

“Runde Ecken” rocken einfach! Nicht nur, dass sie sich nicht so leicht in das kleine Grübchen unterhalb der Kniescheibe bohren können, nein, sie sehen sogar noch schöner aus, als ihr eckiges Pendant. Vor einigen Tagen habe ich mich angeregt mit MK über Architektur ausgetauscht und selbst wir zwei Laien konnten großnamige Künstler nachvollziehen und waren der Meinung, dass der Mensch Ecken nicht wirklich gut verträgt. Ecken haben irgendwie etwas Beängstigendes, Beklemmendes und Einschränkendes an sich.

Wenn allerdings alles abgerundet wäre, kämen wir wohl auch nicht so recht klar und ich glaube, dass selbst Hundertwasser sich, angesichts einer runden Welt, spöttisch umdrehen würde und lächelnd denken würde: “Die Idioten wissen tatsächlich nicht, was ein Kompromiss ist!”

Mir fallen natürlich dabei sofort wieder die Zwillingstürme in New York ein, deren Einsturz ich Sara gegenüber, als ich es im Fernsehen sah, mit einem “Ne, das wird der neue Emmerich-Film sein!” kommentierte. Ohne den Personen, die dort gestorben sind, oder ihren Verwandten und Freunden zu nahe treten zu wollen, ist es aber doch so, dass ich Tage nach dem Einsturz bei mir dachte: “Hm, ja… also… irgendwie sind diese langhalsigen 90-Grad-Kästen ja auch für ein Einstürzen herrlich konstruiert. Bring mal ne Pyramide zum Einsturz!”

Der 90° Winkel ist sicherlich nicht nur in der Geometrie etwas, das Sicherheit ausstrahlt. Puh, genau 90°, wir können beruhigt sein, die Menschheit, zwar nicht die Welt, aber doch die Menschheit, ist noch lotrecht! Ebenso ist es wohl aber auch eine Form der Sicherheit, dass gefühlte 98% unserer täglichen Gebrauchsgegenstände eben eckig sein müssen. (Katzentransportkörbe – mit herrlich abgerundeten Ecken – mal ausgenommen!)

Oder mal anders herangegangen: Ist euch aufgefallen, dass die Küche stets eckig ist, während das Bad abgerundete Formen aufweist? Warum eigentlich? Weil es im Bad nach dem Duschen etwas glitschig sein könnte, die Gefahr demnach größer ist, sich auf die Fresse zu machen und deshalb “spitz”, “kantig” und “eckig” keine Koalition mit menschlichen Steißbeinen eingehen sollen? Ach, ich weiß es nicht!

Was ich jedoch weiß, oder zu wissen meine, ist, dass ich eckige Körper recht abstoßend finde und sehr, sehr froh bin, wenn ich mal nicht eine 90°-Ecke anschauen muss. Umso glücklicher bin ich natürlich über meine neue Wohnung, die den für mich idealen Kompromiss eingeht. Als ehemaliger Dachdecker, sind mir die Sätze des Pythagoras zwar nicht fremd, aber haben mich schon immer eher die Kathetenwinkel in ihrer Relation zur Hypothenuse interessiert, nicht aber dieser schnöde Winkel der Kurzlinigen zueinander.

Mit anderen Worten: Alles, was nicht rechtwinklig ist, ist mein Freund! So auch das Dach, unter dem ich künftig leben werde. Rechtwinkligkeit gestatte ich mir dann nebenher noch ausgiebig, wenn es um die Tatsache geht, dass mein Frühstücksei nicht vom Tisch rollen, oder die CDs nicht aus dem Regal purzeln sollen.

In diesem Sinne, wenn schon nicht rund, dann wenigstens in Winkeln, die das Schränkeaufstellen, das Regalanbringen schwierig, und das Kopfstoßen einfach machen!

Liebe Grüße,
Ingo

Wohnraum

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: 1

2010 – Das Jahr, in dem wir…

6. Januar 2010 · 2 Kommentare

…hoffenlich viel Schönes erleben!

Tja, wenige Tage ist nun das neue Jahr alt geworden und auch, wie schon erwähnt, wenn ich mich eher weniger um kalendarische Daten kümmere, so sei doch ein Wort des Dankes angemessen, wie mir scheint.

Ich möchte mich, nachdem ich vor einigen Monaten dieses Projekt gestartet habe, herzlich für die doch überwiegend positive Resonanz bei euch bedanken. In erster Linie natürlich bei meinen Freunden und meiner Familie, die mir mein durchaus polarisierendes Verhalten stets verzeihen, aber selbstredend auch bei den mir unbekannten Personen, deren Worte mich per Mail erreichten.

Dieses Projekt ist entstanden, weil es eben so furchtbar einfach ist, heutzutage Worte in die Welt zu spucken und weil ich trotz vieler Selbstkritik immernoch der Meinung bin, dass manche das von mir Gesagte hören wollen. Ob sie es gut finden, ist nicht der Punkt meines Interesses, aber durch eure vielen Rückmeldungen in Form von Kommentaren, Mails und persönlichen Gesprächen, habe ich doch die Gewissheit, dass meine Worte durchaus anregen können.

Gedichte, vor allem die recht romantischen, haben doch im Grunde auch nur einen Leser. So also ist der Satz, der da stehen wird, auch zu meiner Zufriedenheit: “Solange nur ein einziger Mensch meine Zeilen liest, solange werde ich schreiben.”

Ich danke euch von Herzen, denn ohne eine kleine Rückmeldung würde ich zweifeln. So aber, mit meiner Statistik und dem Feedback als Rückendeckung, kann ich getrost sagen: Ich bin sehr zufrieden.

Sich verbeugend,
Ingo

→ 2 KommentareKategorien: 1

Unde venis?

31. Dezember 2009 · Hinterlasse einen Kommentar

Die Frage, woher wir kommen, lässt sowohl im Lateinischen, als auch im Deutschen, so manchen Spielraum offen. Wir können uns philosophisch auf diese Frage stürzen und versuchen, zu erörtern, ob es ein höheres Instrumentarium gibt, dass uns Leben eingehaucht hat, oder wir können die Frage auch einfach auf unsere Abstammung reduzieren.

Letzteres möchte ich heute am Silvestertage tun, denn auch wenn mir dieser Tag des Jahreswechsels nicht wirklich etwas bedeutet, so lässt sich nicht leugnen, dass eben andere eine Art der “Abrechnung” mit dem alten Jahr genau an diesem Tage begehen und weil mich andere prinzipiell erst einmal nicht kalt lassen, so bin auch ich trotz “Es-ist-ein-Tag-wie-jeder-andere,-Kalender-sind-von-Menschen-gemacht-Mentalität” versucht, mitzufühlen und mir ein kleines Scheibchen vom allseits etablierten Tag der guten Vorsätze und Rückblicke abzuschneiden.

So ist es also vielleicht auch für manchen ein Zeichen, dass ich genau an diesem Tage, am heutigen 31. Dezember 2009 zum ersten mal etwas über einen meiner Urgroßväter erfahren habe.

Heute Nachmittag erreichte mich eine eMail meines Vaters, in der er am letzten Tage dieses Jahres die freudige Botschaft mit mir teilte, dass sein Bruder, mein Onkel also, auf einen interessanten Beitrag bei Wikipedia gestoßen sei, einen Eintrag über die Person, die meine Oma unehelich gezeugt hat, und über die besagte Oma ihr Leben lang geschwiegen hat.

Ich möchte es nicht falsch verstanden wissen. Meine Oma, Irmgard Seliger, war kein schweigsamer Mensch, aber mittlerweile kann ich nachvollziehen, warum wir so oft und mit Inbrunst über Politik, nie aber über die Vergangenheit diskutieren konnten.

Mein Uropa, Rudolf Löhr, ist 1945 im KZ Bergen-Belsen, das ich ohne diese Geschichte im Hinterkopf, 1989 besichtigt habe, gestorben, weil er Sozialdemokrat war. Die zwölf Jahre vor diesem endgültigen Schicksal, waren offenbar ebenfalls kein Zuckerschlecken und fast wünscht man sich, dass er wie mein Opa väterlicherseits – ebenfalls kein Nationalsozialist – schweigend in den Krieg gezogen wäre, mit abgeschossenem Bein, hinkend nach Hause gekommen sein würde und den Enkeln auf dem Schoß mit Spucke auf dem Taschentuch durchs Gesicht gerieben hätte. Dann gäbe es eine gute, vor allem aber greifbare Erinnerung.

So aber bleibt nur ein Foto und eine Geschichte darüber, dass er hoffentlich für das Richtige gelitten hat, gefoltert worden und letztlich gestorben ist. – Verzeiht mir die Wortwahl, aber es kommt recht selten vor, dass man Geschichte, ja, die eigene Familiengeschichte, so hautnah erlebt. Eine seltsame Mischung aus Trauer, Gänsehaut und auch Stolz lässt mich diese Zeilen schreiben, eben wie ich sie gerade schreibe.

Ich bin sehr froh darum, am heutigen, letzten Tage des Jahres, meinen Urgroßvater ein Stück weit “kennengelernt” zu haben. Wer seine Vergangenheit nicht kennt, hat keine Zukunft. Es ist bemerkenswert, wie ergriffen ich doch bin, obgleich ich mich jahrelang nicht darum geschert habe, aber es fühlt sich sehr gut an. Es fühlt sich gut an, auch wenn ich nichts mehr ändern kann. Es fühlt sich gut an, zu wissen, wo man herkommt.

Quelle:
Wikipedia – Rudolf Loehr
Kurzbio – Rudolf Loehr

Liebe Grüße und euch allen einen guten Start ins neue Jahr,
Ingo

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: 1