2do

Ein neues Jahr hat begonnen und ich hoffe doch sehr, dass ich es in den folgenden Zwölf Elf Monaten endlich schaffen werde, die Bauarbeiten abzuschließen und diesen Platz ein weiteres mal mit Leben zu füllen. Vor vielen Monaten fasste ich bereits den Plan, hier einmal etwas an Ordnung und Struktur walten zu lassen, doch geschehen ist seither nicht viel. Eigentlich gar nichts, wenn man die Gedanken, die ich mir gemacht habe, nicht zählen mag. 

 

Und gedacht werden musste vieles. Einiges davon ist bereits zuende gedacht, anderes scheint eine Einbahnstraße zu sein, manches denkt sich eher wie ein Kreisverkehr, ohne die Möglichkeit abzubiegen. Gerade letzteres ist eine doch eher demotivierende Art des Voranschreitens, zumindest, wenn man sich irgendwann gewahr wird, dass jede erhaschte Inspiration doch wieder am minimalistischen Ausgangspunkt enden wird. – Doch was bedeutet das für diesen Blog?

 

Nun, als ich die Seite hier ins Leben gerufen habe, war es mir vorrangig wichtig, die Schrift möglichst kontrastreich in den Vordergrund zu stellen und auf spielerische und grafische Elemente weitestgehend zu verzichten. Jetzt ist eine solche Vorgehensweise natürlich bei wissenschaftlichen Texten, Gebrauchsanweisungen und Novellen durchaus anzuraten, doch stellt sich die Frage, ob es für multimediale Unterhaltung mit geringem, nachhaltigen Informationsgehalt auch der richtige Weg ist. 

 

Im Grunde sprechen wir hier ja über ein Produkt. Und mit einem eben solchen verhält es sich in der Marktwirschaft, oberflächlich betrachtet, recht einfach: Ist das Produkt gut, steht es für sich selbst und überzeugt durch sich selbst. Überzeugt das Produkt nicht, benötigt es ein wenig Unterstützung, um an den Mann gebracht zu werden. Der größte und überflüssigste Scheiß lässt sich verkaufen, wenn ich nur genügend Ausrufezeichen, Blinkschrift und Farbe zur Präsentation nutze. Auslaufmodelle und Ladenhüter werden also „schreiend“ an den Mann gebracht, während uns ein Reclam-Heftchen im Regal, schweigend, keinerlei Beachtung schenkt und trotzdem gekauft wird. 

 

Analog dazu, lässt sich eine Internetpräsenz ähnlich „verkaufen“; schweigend oder schreiend. 

 

Schreiende Beispiele gab es besonders in den pubertierenden Jahren des Internets sehr viele. Alles das, was in der Theorie möglich war, hat man auch umgesetzt. Mouseover-Effekte mit animierten Gifs hatten zwar in den wenigsten Fällen einen wirklichen Nutzen, aber wir bauten sie ein. Bilder und Fotos mussten vor allem eins sein: groß! Typographie war uns fremd und wir mischten uns die Schriftarten, formatierten fett, kursiv und unterstrichen, wie es uns gefiel. Wobei… ob es uns gefallen hat, wage ich in der Nachbetrachtung zu bezweifeln. Eher ergötzten wir uns wohl an den mannigfaltigen Möglichkeiten und befriedigten unseren Pioniergeist. 

 

Als man annehmen konnte, dass die Zeit des Entdeckens schon längst verstrichen war und wir uns ausgelaugt und kraftlos von der Urgewalt unserer Ergüsse langsam erholten, kam wie aus dem Nichts eine neue Generation junger „Künstler“ und forcierte unsere einst gemachten Fehler. Die „Generation Myspace“ trat unser Erbe an und potenzierte unsere Experimentierfreude schier ins Unermessliche. Die Ergebnisse kann man heute zum Teil noch als Mahnmal der Geschichte, auf verwaisten Seiten in Augenschein nehmen und über die anarchistische Selbstgefälligkeit staunen. Das Motto dieser Seiten war stets ein: „Es ist mir egal, wie chaotisch es ist und wie lang die Ladezeiten sind – So bin ich eben!“ Und die hundert Bilder, Videos, Soundfiles und Cliparts, die auf einer einzigen Seite, mit gefühlten hundert Metern Srcollbalken, Platz fanden, unterstützten diese eindringliche Botschaft.

 

So weit ich nun auch ausgeholt habe, erklärt sich vielleicht dadurch, warum ich auf meine alten Tage ein Freund der minimalistischen Darstellung geworden bin. Ich bin des Schreiens müde und zudem gibt es genügend andere, die sich gegenseitig mit ihren Organen übertrumpfen wollen. Ich muss kein Neongelb mehr benutzen, nur weil ich es kann. 

 

Allerdings bin selbst ich nicht so dramatisch, dass ich schwarze Lettern auf weißem Grund präsentieren wollen würde. Leise, subtile Aufwertungen sollten also gestattet sein, ohne sich wie ein fauler Kompromiss anfühlen zu müssen. Leichte Farbtupfer, vielleicht hier und da ein Bildchen, eine Schattierung, möglicherweise sogar ein eingebettetes Video, das durch seine Bildersprache mehr sagt, als so manches klares Wort. – All das habe ich in der Vergangenheit hier ausprobiert und war mit den Ergebnissen mal mehr, häufig auch weniger zufrieden. 

 

Gerade, wenn wir uns hier gegenseitig mit Musik bereichert haben, ist es sehr schade, dass die Beiträge oft schon kurze Zeit später kastriert worden sind, weil die verlinkten Youtube-Videos nicht mehr funktionierten. Die häufig etwas willkürlich wirkende Art, wie Urheberrecht hier  vor allem in Deutschland gewahrt bleiben soll, ist sicherlich ein Thema, das mehr Raum einfordern würde, als ich im Moment bereit bin, aufzubringen. Und natürlich sollte auch klar sein, dass ich generell den Schutz und die Wahrung von Urheberrecht für immens wichtig halte. Tatsache für diese Seite ist jedoch, dass ein Austausch über Musik oft jegliche Attraktivität verliert, wenn die verlinkten Hörproben ins Nichts führen. Das „Video des Monats“ oder auch die gemeinsamen „Liederabende“ erfüllen ihren Zweck also nur für wenige Stunden oder Tage und werden dann für die Nachwelt zu unfertig wirkenden Einträgen zurückgestuft.

 

Es wäre in einem solchen Falle sicherlich eine Möglichkeit, Alternativlinks zu suchen und erneut einzubetten. Aber mal ehrlich: Mehrmals im Monat alte Inhalte auf Fehler zu untersuchen ist wohl in etwa so spannend wie Gras beim Wachsen zuzusehen. Ich jedenfalls kann mir da durchaus spaßigere Freizeitinhalte vorstellen und habe eigentlich weniger Lust dazu, Steine den Berg herauf zu rollen. 

 

„Dann verzichte doch darauf!“, höre ich die Stimme der Weisen sagen. Tja, vielleicht ist das wirklich des Pudels Kern. Nicht ganz so diabolisch natürlich. Aber es stimmt schon irgendwie: Man bekommt regelrecht ein schlechtes Gewissen, wenn man musikalische Inhalte über Youtube konsumiert. Selbst bei den funktionierenden Videos erscheint mittlerweile vor meinem geistigen Auge ein diagonales „Urheberrechtsverletzung“ quer auf dem Bildschirm. Ja, lacht ruhig! So sehr fühle ich mich schon als Verbrecher!

 

Mir ist derzeit also noch nicht so ganz klar, wohin der Weg führen wird und welche optischen Veränderungen sinnvoll wären. Ebenso wird die Zeit und die Momentaufnahme einer Laune zeigen, wie interaktiv ein Blog gestaltet werden kann, ohne selbst Urheber aller Materialien zu sein. Im Zweifel heißt das, selbst Videos zu drehen, Coverversionen aufzunehmen und Bilder selbst zu gestalten, damit man rechtlich unangreifbar bleibt.  Wohl dem, der über die nötige Kreativität, das Talent und die Disziplin verfügt! Ich hingegen bin da eher ratlos. ;-)

 

Willkommen im Jahr 2012, dem Jahr, in dem die Welt nicht untergeht. 

 

 


Hype!

Es ist kein großes Geheimnis, dass ich kein Freund des Fernsehens bin und vielleicht eignet sich der, in den Kommentaren schon erwähnte, „ESC“ ganz gut, um meine Haltung einmal etwas genauer zu erklären. Vielleicht eignet sich auch der ein oder andere Ausflug, dem ich nicht entkam, weil ich zu spät umgeschaltet habe, seit ich angemeldeter Benutzer eines „neuen Mediums“ bin, dazu. Wir werden sehen.

Da ich den „Eurovision Song Contest“ selbst nicht gesehen habe, ist es natürlich zunächst einmal angebracht, mir mahnend vorzuhalten, dass ich eben diesen gar nicht beurteilen könne. Das ist soweit auch legitim und richtig. Dennoch möchte ich nicht verschweigen, dass natürlich das Brimborium um diesen Wettbewerb durch die mediale Berichterstattung in Bild, Text und Ton nicht spurlos an mir vorbei gegangen ist. Ich hatte also durchaus einen „ESC Light“.

Der Grundgedanke dieses Events stört mich übrigens nicht im geringsten. Im Gegenteil: Der Gedanke, dass man Nachbarn zu sich nach Hause einlädt, um gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen und zu musizieren, gefällt mir ausgesprochen gut. Hier möchte ich auch qualitativ erst einmal nichts in Frage stellen, zumal ich nur ein einfacher Konsument, nicht aber ein Musikproduzent bin.

Was mich allerdings schon etwas abstößt, ist, beim Anhören der Songs, dass ich blind nicht die geringste Chance habe, zu erkennen, welchem Land eines der Lieder zuzuordnen ist. Meine pubertäre Übersetzung „Ein Fremder hat mich hart rangenommen“ sorgte zwar für ein Schmunzeln meinerseits und klang auch ziemlich deutsch, aber gesungen hat das Mädchen ja dann doch irgendwie etwas anderes. „Taken by a Stranger“ hätte ich also spontan eher dem angelsächsischen Bereich zugeordnet.

Wenn also diese Willkür der Sprache schon einen „nationalen Wettbewerb“ etwas merkwürdig erscheinen lässt, dann sind es letztlich auch die Lieder selbst, die den gesamten „Wettbewerb“ nicht mehr bewertbar machen. Ich habe jetzt nicht alle der Interpreten gehört, aber immerhin so viele, dass mir aufgefallen ist, dass die Stilrichtungen der Musik gänzlich verschieden sind. Im Grunde gibt es außer „Lied singen!“ doch keinen Kontext mehr, oder?

Da darf doch aber die Frage erlaubt sein, wie man etwas als „Contest“ Deklariertes mit dieser Freiheit und Willkür überhaupt denn bewerten möchte? Wie und woran sollen denn 25 Leute, mit 25 unterschiedlichen Liedern in unterschiedlichen Musikrichtungen gemessen werden?

Die Brandenburgischen Konzerte sind zwar ganz gut, aber Sympathy for the Devil ist besser?“
„Deutschland unterstützt uns in Libyen nicht, also kriegen die Null Punkte?“
„Schweden hat ne tolle Stimme, aber Aserbaidschan hat dickere Titten?“

Korrigiert mich bitte, aber habe ich vielleicht eine völlig falsche Vorstellung davon, was ein „Wettbewerb“ ist und es ist letztlich gar nicht geplant, dass Chancengleichheit besteht? Es gibt für mich einfach kein erkennbares Maß, dass ein solches Sangestreffen zu einem wirklichen „Contest“ werden lässt. Die Achsen sind für mich einfach nicht beschriftet.

Wenn ich allerdings jetzt mit der Meinung konfrontiert werde, dass es doch egal sei, weil ja schließ- und schlussendlich der Spaß im Vordergrund steht, so muss ich dem natürlich durchaus zustimmen. Es ist Unterhaltung und es gibt keinen Grund, sich davon nicht unterhalten zu lassen, wenn man es denn möchte.

Was für den Skeptiker allerdings bei diesem Wettbewerb-der-keiner-ist etwas anstrengend wird, ist der mediengesteuerte, generierte Hype, den ich als mindestens genauso unangenehm empfinde wie die Entsorgung benutzter Kondome. Dort wird ein eigentlich schönes und niemanden störendes Ereignis soweit bis zur Unkenntlichkeit aufgeblasen, dass man das Gefühl bekommt, man bräuchte eigentlich nur eine Stecknadel, um den Ballon zum Platzen zu bringen. Nichtigkeiten, die Tagesthemen werden, fand ich schon immer irgendwie gruselig.

Selbst im Bekanntenkreis habe ich es in den letzten Jahren erlebt, dass geschätzte und gemochte Menschen die Sendung nicht einfach verfolgen, sondern auf den Zug der Hysterie aufspringen und – für ihr Alter und Lebensmodel – irrationale Dinge tun. Ähnliche Phänomene konnte ich auch bei anderen Sendungen beobachten, wo Frauen jenseits der Fünfzig über die Siegchancen „ihres“ Favoriten bei „Deutschland sucht den Superstar“ stritten, oder sich bereits vor dem Frühstück mit Teenies in Foren darüber austauschten, welchen Bikini die „kleine, Blasse“ im RTL-Menschenzoo heute wohl tragen wird.

Ich sage es nochmals: Ich habe nichts gegen diese Sendungen. Ich habe nur etwas gegen diese überdimensionale Vermarktung, die meine Freunde und Bekannten zu allesfressenden Zombies macht. Oder, um beim Kondom zu bleiben: Blast die benutzen Dinger nicht zu sehr auf… ;-)

Liebe Grüße,
Ingo


THC in OCB

Die zunehmende Kommunikation mittels Abkürzungen haben uns ja die „Fanta 4“ (ja, das ist auch eine Abkürzung!) schon vor Jahren ironisch und amüsant als überdimensionalen Spiegel vor die Augen gehalten. Aus diesem Grunde würde ich wohl zwei Ewigkeiten zu spät kommen, ließe ich mich nun über diesen Abkürzungswahn ein weiteres Mal aus. Wobei… nein, ich kann’s nicht lassen! Es macht einfach zu viel Spaß!

Mir fiel nämlich kürzlich wieder mal auf, dass uns langsam aber sicher doch mal die Abkürzungen ausgehen müssten, bzw. immer dann, wenn grundverschiedene Dinge gleich abgekürzt werden, zwangsläufig Missverständnisse auftauchen können. Das Phänomen ist natürlich auch schon älter, doch meistens entstammten die abgekürzten Worte unterschiedlichen Genres, so dass eine Verwechslung nicht möglich gewesen ist.

Nun bin ich aber neulich über den Begriff „CS-Kiddy“ gestolpert und habe ihn einfach mitgelesen, als sei er ausgeschrieben, da ich vertraut damit bin. „CS“ ist die gängige Abkürzung für das Computerspiel „Counterstrike“ und als „Kiddy“ bezeichnet man im Internet eine Person, die ein sehr unreifes Verhalten an den Tag legt, die aber nicht zwangsläufig gleichzeitig auch ein Kind sein muss. Das zusammengesetzte Wort wird nun i. d. R. in der Computer-Spieler-Szene für Mitmenschen benutzt, denen es an Erziehung mangelt, die ein krankhaft anmutendes, erhöhtes Selbstbild haben und die von der reiferen Spielergemeinschaft eher geschnitten werden. Letzteres vor allem, weil es keinen Spaß macht, mit ihnen zu spielen und weil sie über Jahre dafür gesorgt haben (und weiter sorgen), dass Computerspiele in der Öffentlichkeit in einem ziemlich schlechten Licht stehen.

Was mich allerdings kurz nach dem Lesen des Wortes etwas wunderte war, dass mir das Wort in einem Forum über die digitale Bildbearbeitung begegnete. Erklärte ich mir diesen Umstand zunächst damit, dass auch Grafiker und Designer ab und an wohl dem Computerspiel in ihrer Freizeit frönen, so löste sich das Rätsel für mich erst vollends, als ich schon den nächsten Absatz angefangen hatte, zu lesen:

Mit „CS“ war hier nicht das Computerspiel gemeint, sondern das über die Maße populäre und höchst professionelle Programm „Photoshop“, das ab der Version 8.0 mit „CS“ (als Teil der gesamten „Creative Suite“) bezeichnet wurde. Interessanterweise, so fand ich beim diagonalen Lesen durch mehrere Threads heraus, ist das „CS-Kiddy“ dem „CS-Kiddy“ trotz unterschiedlicher Betätigungsbereiche gar nicht mal so unähnlich. – Ich musste an Darwin und ziemlich viele Finken denken.

So fand ich also weiterhin heraus, dass die Foto- und Bildbearbeitungsgemeinschaft dann von einem „CS-Kiddy“ spricht, wenn ein Mensch sich als „Photoshop-Gott“ aufspielt, nur weil er eigenständig, mit rudimentärem Wissen, das Maskierungswerkzeug gefunden, oder eine Ebene erstellt hat. Weiterhin ist er unbelehrbar, suggeriert gerne, trotz seines pubertären Auftretens, schon mindestens zwanzig Jahre Erfahrung im Umgang mit dem Programm zu haben und für gewöhnlich wird schnell klar, dass er für die Software vermutlich keinen Cent bezahlt, sondern sie sich illegal aus dem Internet heruntergeladen hat.

Meine Einschätzung ist ja nach den Lehrstunden, dass alle „CS-Kiddies“ gleichzeitig auch „CS-Kiddies“ sind. ;-)

Während ich also nun anfangen werde, im „virtuellen Raum“ auf unterschiedliche Deutungen dennoch deutlicher zu achten, haben wir im computerfreien Raum noch den ungemeinen Vorteil, die Unterschiedlichkeit von „CS-Kiddies“ nicht gesondert herausarbeiten zu müssen. Wir nennen sie einfach pauschal „Idioten“ und werden vermutlich damit richtig liegen.

Liebe Grüße,
Ingo


Nachgeladen

Nahezu neun Monate sind vergangen, seit ich diesen kleinen Kosmos hier verriegelt und abgeschlossen habe. Neun Monate, in denen viel passiert ist und die, wie die meisten anderen Neunmonatszyklen auch, von Höhen und Tiefen durchzogen waren. Das liegt wohl in der Natur der Sache.

Losgelöst von allen privaten und politischen Veränderungen ist mir jedoch jüngst eine Kleinigkeit aufgefallen, die mir komischerweise in den letzten Monaten gar nicht so bewusst gewesen ist: Ich habe seit der Einstellung dieses Blogs wesentlich mehr geschrieben, als ich das vermutet, oder gar geplant hätte.

Der Unterschied zu dem Führen eines Blogs war in den letzten Monaten einfach nur, dass ich den ganzen Klumpatsch weiter gefächert und gestreut habe. Meine Festplatte mit eingerechnet, habe ich auf einer Handvoll Plattformen meine infantilen Worte verbreitet und so stellt sich mir – wenn auch spät – die Frage, warum ich dieses offensichtlich nicht abzustellende Bedürnis nicht doch wieder bündeln und konzentrierter platzieren sollte.

Neben der Tatsache, dass man mir wohl die Hände auf den Rücken binden und mir den Mund zukleben müsste, um mich ruhig zu stellen, oder im Aktiv gesprochen, ich mir wieder und wieder vornehmen kann, die Schnauze zu halten, ohne es zu schaffen, ist es in meinen Überlegungen ein nur konsequenter Schritt, das kleine „Häkelstübchen“ hier wieder zum Leben zu erwecken. Der größte Vorteil liegt nämlich auf der Hand: Ein Gedanke steht hier im Kontext anderer Gedanken und ist anhand der Historie bereits hier veröffentlichter Worte wesentlich einfacher nachzuvollziehen, bzw. einem Bild zuzuordnen.

Wenn ich verschiedene Gedankengänge auf fünf, nicht miteinander verknüpften Plattformen verteile, können durchaus Zerrbilder entstehen, die meiner Persönlichkeit nicht mehr gerecht werden. Aufgefallen ist mir das kürzlich, als ich auf Facebook einen ziemlich polemischen Text veröffentlicht habe, der ohne Hintergrundwissen eigentlich nur den Schluss zulassen kann, dass ich wohl zum konservativ-liberalen Lager zähle. Ein Gedanke, der mich zwar durchaus belustigt, mir allerdings auch etwas Angst macht, weil ich mich praktisch selbstverschuldet, brav in eine Schublade lege, die mir doch etwas zu unbequem erscheinen möchte. Dem Leser jedoch, kann ich keinen Vorwurf machen, wenn er das Augenzwinkern nicht mitliest, denn er hat nur die Momentaufnahme und keine andere Information.

Neben diesen, hoffentlich nachvollziehbaren Gedanken, gab es kürzlich noch ein weiteres Ereignis, das letztlich wohl den Ausschlag dafür gegeben hat, dass ich meinen „Heimathafen“ wieder ansteuern möchte. Ein sehr gemochter Mensch hat mir vor ein paar Tagen seine Blogadresse mitgeteilt, die ich im übrigen künftig auch gerne hier in die Linkliste aufnehmen würde, sobald die Seite wieder steht und ich das Einverständnis eingeholt habe. Beim Lesen der ausgefeilten Sprache und der wunderbaren Gedanken ist mir deutlich aufgefallen, wie sehr ich es genieße, den Autor unverfälscht und in seinem eigenen Kosmos zu erleben, ohne dass da irgendwelche Störfaktoren wären. Dieses „Ich lade dich herzlich ein, dich mit meinen Gedanken zu beschäftigen“, lässt dem Leser jedwede Freiheit, ohne sich dem schlechten Gewissen des Voyeurismus ausgesetzt fühlen zu müssen.

Diese Einladung habe ich nur zu gerne angenommen und sie hat letztlich auch in mir wieder dieses Gefühl geweckt, Menschen völlig unverbindlich einladen zu wollen.

Langsam werde ich also hier ein wenig aufräumen, entstauben und neu lackieren. Das wird ein bisschen dauern, aber immerhin habe ich schonmal angefangen.

Betrachtet euch also als eingeladen,

liebe Grüße,

Ingo


Überschrift

Huhu,

so, nun ist er also da, der Tag, der die 12 Monate des Bloggens voll gemacht hat. Ein Experiment, ähnlich derer mit Stayfriends, StudiVZ, Facebook und Konsorten, geht nun zu Ende. Was aber bleibt von dem, was wir gemeinsam hier über ein Jahr hinweg erlebt haben?

Ich denke, wir haben hier, mit einem Nischenprogramm, durchaus gegenseitige Befruchtung erfahren. Wenn ich mich an manche Themen erinnere, so werden mir der gemeinsame Erfahrungsaustausch, die vielen kritischen Worte, die meine zynischen Texte ergänzt haben, absolut in Erinnerung bleiben. Lebensgeschichten, Kommentare, Bereicherungen waren in den Zeilen zu finden, die wenige von euch hier als Notiz angeheftet haben und die mir durch die Bank weg allesamt sehr gut gefallen haben.

Nebenher gab es immer mal das ein oder andere aufmunternde Wort, weiterhin in dem doch nicht gerade gesellschaftstauglichen Stil weiter ein paar „Realsatiren“ zu präsentieren und einige derer tauchen nur in der Statistik auf, weil sie selbst nicht geschrieben haben. Ihre Meinung, ihre Unterstützung und ihre Kritik waren jedoch zu jeder Zeit sehr wichtig und wurden von mir dankbar entgegen genommen.

Mein weiterer Plan sieht vor, dass ich die Texte, die mir selbst wichtig sind, noch einmal überarbeite und meine unzähligen Tempus-, Grammatik- und Rechtschreibfehler editiere und schließlich das ganze sortiert – natürlich mit den Kommentaren, die dazu geposted worden sind – in eine Form bringe, die für die jenigen, die sich gerne zurückerinnern wollen dann hier in einer noch nicht durchdachten Form zu finden sein wird.

In jedem Falle aber, möchte ich mich für das gemeinsame Jahr bedanken. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, jederzeit und an jedem Ort einen Gedanken in Worte kleiden zu können, ihn dann hier einzustellen und dabei das Bewusstsein zu haben, dass er gelesen wird. Alles das, was man sonst nur mit sich selbst, dem Partner und höchstens noch engen Freunden ausmacht, wurde hier in den Kosmos gekotzt und fand – mal mehr, mal minder – Anklang, der ohne die Möglichkeiten des Internets nicht möglich gewesen wären.

Sicherlich gibt es auch negative Dinge zu nennen. Gerade bei Texten, die mir besonders wichtig waren, gab es oft keinerlei Reaktion. Dass macht es natürlich recht schwierig, wenn man dann darüber nachdenkt, ob man den Tenor beibehalten, oder doch lieber wieder umschwenken sollte. Diese Form der Unsicherheit ist, egal, wie frei ich mich hier ausgetobt habe, allgegenwärtig und stets präsent gewesen. Zwei oder Drei Beiträge habe ich aus diesem Grund in dem gemeinsamen Jahr nach einer Nacht zurückgezogen, weil ich mir dachte, dass es missverstanden werden könnte.

Dieser inneren Stimme, die zum einen das „freie Schreiben“ ermöglichen soll und zum anderen aber an das gebunden ist, was man „dem Leser zumuten kann“, ist wohl der Drahtseilakt, den man hinbekommen muss, wenn man sich der Öffentlichkeit mit vielen Stilmitteln Preis gibt. Es ist eine spannende Erfahrung, die in meinem Falle wirklich gut ausgegangen ist, aber dennoch ist einem die Gefahr stets bewusst, wie leicht es doch ist, über die Stränge zu schlagen.

Für jemanden, der beruflich nichts mit dem Schreiben zu tun hat, blicke ich dennoch wirklich mit einem befriedigenden Gefühl auf das letzte Jahr zurück. Ihr ahnt gar nicht, wie gut das Gefühl ist, etwas völlig Nebensächliches in Worte zu kleiden, wenn man sich gleichsam bewusst ist, dass irgendjemand da draußen es eben nicht als Nebensächlichkeit empfindet, sondern sich über Kleinigkeiten genauso herrlich aufregen kann wie ich. :)

Also, ihr Lieben, ich danke euch für die Treue, für das Feedback und die tollen Kommentare und hoffe sehr, dass wir uns bei dem nächsten Projekt wiedersehen werden. Mir hat dieses Jahr eine Menge Spaß gebracht und wie ich weiß, ging es mir nicht nur alleine so.

Habt Dank und bis die Tage,
liebe Grüße,
Ingo

P.S.: Da ich gestern schon angekündigt habe, dass ich schon ein Video für diesen Tag im Kopf hatte, möchte ich es euch natürlich nicht vorenthalten. Bewusst ist das Video nicht das originale, doch der Weg erinnert mich an ein Lesezeichen, das Sara mal gestaltet hat, der geschriebene Text hilft, das Genuschel zu verstehen und insgesamt denke ich, dass dieses Lied inhaltlich ziemlich viel mit diesem Blog gemein hat.

Viel Spaß damit und ja, es ist – auch wenn es so gar nicht „cool“ ist – eines meiner Lieblingslieder von der Top-3-Liste… ;)


Time is running out

Tja, ich blicke auf den Kalender und nun hab ich nur noch wenig Zeit, bis das Jahr rum ist, für das dieses Projekt angesetzt gewesen ist. Sicherlich werde ich dafür noch ein paar Zeilen finden, aber am heutigen Tage will ich das Sub-Genre „Vid of the Month“ nochmal ausreizen, auch wenn ich ehrlich gesagt, das zählen der Monate aufgegeben habe. ;)

Kunst ist schon seit ich denken kann meine Leidenschaft gewesen, und so wird es auch nicht verwundern, wenn ich folgendes Video einfach hinreißend finde, obwohl ich mit dem Dark-Death-Gothik-wasauchimmer-Gehabe eigentlich nichts am Hut habe. Die Interpretation eines Klassikers ist jedenfalls mehr als bemerkenswert. Und ich widme sie Gaby (die garantiert nicht im Park wartet!), weil sie vermutlich sofort wissen wird, was mich daran fasziniert. Es ist im übrigen das einzige Lied, das ich von der Band „Nightwish“ kenne.

Quasimodo, die Schöne und das Biest, oder eben das Phantom, der junge Herr muss sich neben der Frau mit der hübschen Stimme nicht verstecken. Der Kerl macht gute Kunst und ich mag’s.

Die Uhr tickt, aber immerhin hab ich schon ein Konzept und ein Abschlussvideo für morgen!


Ein ziemlich konformes Buch

Ich denke gerade darüber nach, ein Buch zu schreiben. Material dazu hätte ich, keine Frage, nur halt, steht immernoch im Raum, dass ich es eigentlich nicht kann. Die Beobachtung von Menschen, ihren Gebärden, ihrem Sein, könnte Thema sein, aber müsste und dürfte es halt nicht so zynisch und verachtend präsentiert werden, wie ich es bisweilen mache.

Bei dem Gedanken daran, ein Buch zu schreiben, bin ich also aller Vorsicht zugute nochmals in mich gegangen und stieß dabei auf folgendes Lied:

Nun mag man einem Song nicht sonderlich viel an Bedeutung zumessen, aber doch muss ich sagen, dass – wenn ich ein Buch schreiben möchte und dem Song Bedeutung zumesse – durchaus ein Projekt in seiner Entstehung schon zum Scheitern verurteilt sein kann. Meine Sichtweise ist dermaßen gefärbt, dass es eigentlich schon keinen Spaß mehr macht.

Letztendlich verhindert doch der Gedanke daran, dass man ein Buch für Leute schreiben würde, die es nicht bräuchten, und andere Leute, die es belächeln und ablehnen würden schon den Grundansatz, überhaupt ein Buch zu schreiben, oder? Ich meine natürlich, wenn man nicht Geld damit verdienen möchte. Diese Klausel muss man ja offensichtlicherweise heutzutage hinzufügen.

Die, die mich ohne mein Buch lieben, werden mich auch weiterhin lieben.
Die, die mich nicht lieben, wird kein Buch der Welt vom Gegenteil überzeugen können.
So einfach ist die Welt. ;)

Liebe Grüße,
Ingo, der ein Buch geschrieben hat, das er nie geschrieben hat.

Wenn ich mir die Zeilen des Songs anhöre, dann wird mir wieder einmal bewusst, dass alle weitergegangen, und nur ich stehengeblieben bin. Mit Idealen, die keine Chance haben, mit Gedanken, denen immer ein „aber man muss doch sehen, wo man bleibt“ entgegen stehen wird. – Nein, ich will keine Revolution, ich will Ehrlichkeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger… so einfach ist das ;)


Der dicke Nazineger

Gefühlt haben wir ja gerade Temperaturen, die den Siedepunkt unlängst überschritten haben. So schnell, wie ich Flüssigkeit bei all dem Schwitzen nachschütten muss, kann ich gar nicht einkaufen. Sechs Liter, vier 1,5 Liter Flaschen, sind dieser Tage nichts Ungewöhnliches und da ist noch nicht einmal der Wasserverbrauch eingerechnet, weil ich alle 10 Minuten ins Bad muss, um mein Gesicht, den Nacken und die Unterarme zu benetzen.

Interessanterweise fühlt es sich an, als ob mittlerweile jede Gehirnzelle abgestorben sei und doch konnte ich, aller Sonnenzombiehaftigkeit zum Trotze, dem ganzen etwas Gutes abringen: Ich hab mich mal wieder etwas genauer im Spiegel betrachtet und ein genaueres Bild meiner Person bekommen, weil ich mich zwangsweise bei dieser Affenhitze entblößt darbiete und zwangsweise eben auch – ob der Besuche im Bad – häufiger in den Spiegel blicken musste, durfte, konnte.

Den Bauch kannte ich schon. Er ist irgendwann vor zwei bis zehn Jahren entstanden und mittlerweile ziehe ich ihn schon lange nicht mehr heroisch ein, um anderen zu gefallen. – Selbst meine Mutter schien bei meinem letzten Besuch in der Heimat geschockt zu sein, weil „Bauch + Ingo“ irgendwie nicht zusammen passen. – Nun denn, ich muss mich auf jeden Fall nach vorne beugen, wenn ich beim Pissen einen Blick auf mein Gemächt werfen möchte. ;)

Bislang weniger aufgefallen ist mir hingegen dieses insgesamt doch recht schlaff wirkende Äußere. Die Brüste haben sich irgendwann dazu entschieden, zu hängen, die Taille hat den Fettpolstern nachgegeben und wenn ich die Arme hebe, dann scheint der Bizeps ein Abkommen mit der Schwerkraft geschlossen zu haben und hängt irgendwie nicht mehr dort, wo ich ihn aus Unachtsamkeit all zu lange vermutet hatte.

Nun können wir, wenn wir mir höflich Ausreden schaffen wollen, das „Alter“ als Ursprung des Übels nennen und wissen doch dabei genau, dass es nur ein lächerlicher Versuch ist, davon abzulenken, dass meine sportliche Aktivität schon mehr als ein Jahrzehnt zurückliegt. Vielleicht leide ich deshalb besonders bei diesen Temperaturen, die andere mit einem kühlen Lächeln und einem Sprung ins kalte Nass quittieren. Waschbrettbauch voran, versteht sich.

Mir scheint aber auch, dass es durchaus ein weiteres Phänomen des Alters sein kann, dass man eben keinen besonders gesteigerten Wert mehr auf die Äußerlichkeiten eines Brad Pitts, eines Johnny Depps oder eines typischen Abziehbildes amerikanischer Filme legt. Vielleicht nimmt man seinen Körper automatisch irgendwann aus jeglicher Diskussion heraus, weil er möglicherweise eher im Widerspruch und als hinderlich wirken könnte? Schlechte Ausrede? Vielleicht… aber mir ist, wenn ich so überlege, noch keine „intelligente Sexbomb“ begegnet…

Das Sein besteht aus Werden. Und das Werden besteht aus Werten. Damit meine ich nicht Dinge, die als gesellschaftlich akzeptiert gelten und deshalb angenommen werden sollten, sondern aus den Erfahrungen, die wir als Individuen eben so machen. Wenn die Eltern mir sagen, Adenauer war gut, dann hilft mir das reichlich wenig, solange ich nur die Information habe, dass er erster Kanzler der jungen Republik war. Wenn Martin Luther King mir sagt, dass er einen Traum hat, dann hilft mir das recht wenig, wenn ich nicht auch gleichzeitig eine Ahnung von historischen Ereignissen habe und mir daraus meine ethischen und moralischen Grundsätze zusammenbasteln kann. Pro oder Contro spielt hier keine Rolle, den jeder Wert und jede Vorstellung hat seine Bedeutung und auch seine Berechtigung.

Was hilft es denn, wenn ich wie vor 20 Jahren auf die Straße gehe und schreie „Nazis raus!“? Mehr als ein gesellschaftlich anerkanntes Zeichen und als eine Positionierung ist es doch nicht. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, diese Parolen sind wichtig und in meinen Augen auch richtig, aber eben bei diesen abgesegneten Schlagzeilen stehen zu bleiben, kann doch nicht für die gesamte Aussagekraft stehen, oder?

Als wir damals auf der Straße waren, da wurden rechte Aufschreie nur mit einer neonationaler Tendenz begründet und niemand hat nur im Ansatz danach gefragt, wie es zu solch einer Tendenz überhaupt kommen konnte, bzw. kann. Rechts war schlecht, egal warum! Man argumentierte nicht, sondern man sah nur Millionen toter Juden, eine zerbombte Heimat und einen totalitären Staat.

Als ich mit ungefähr 17 Jahren mal auf einer recht „freien“ Party war, auf der alle Subkulturen einträchtig nebeneinander ihren Spaß haben konnten, bot sich mir die Möglichkeit, mich mit einem „Faschisten“ zu unterhalten. Ich hatte damals mein Pali-Tuch und er seine Glatze. Ich hatte auf meiner zerfetzten Jacke einen „Nazis raus!“ Aufnäher, er einen „Auslänger raus“ Button. Und trotzdem konnten wir an einem Tisch sitzen, diskutieren und als Feinde in unserer Ideologie ein Bier miteinander trinken.

Ich glaube, die Welt verstehen zu wollen, beginnt damit, für alles offen zu sein. Auch wenn Herr Stoiber mir hier widersprechen mag und sein gescriptetes „Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht“ in den Raum werfen möchte. Wenn ich nach alten Werten leben möchte, so mag er Recht haben, aber letztendlich heißt doch das, was der liebe Herr Stoiber sagt, doch nur eines: Blind sein.

Ich für meinen Teil hoffe, dass ich auch noch in 40 Jahren, wenn mein Körper noch altersschwächer und abgenutzter daher kommt, für alles offen sein werde. Und wenn mich dann jemand davon überzeugen kann, dass Neger Affen sind, Schwule ausgegrenzt werden müssen, Frauen kein „aber…“ sagen dürfen und Kinder den Rohrstock fühlen müssen, nun, dann ist das eben so. Ich bin auch nur mein eigener Knecht.

Für das Denken und gegen die Überzeugung anderer,
liebe Grüße,
Ingo


Web 2.0 – Ein Erlebnisbericht

Huhu,

vor fast einem Jahr habe ich mich mit Interesse daran und auf gemacht, die Möglichkeiten des immer größer werdenden Internets und seiner vielfältigen „social network-“ und Informationsangebote zu entdecken. Als „Quereinsteiger“, der die Jahre davor wenig mit der neuen Netzkultur zu tun gehabt hat, war es zunächst schwierig, einen Überblick über die Angebote, Abkürzungen und vor allem, den Nutzen zu gewinnen. Nun denn, ich habe mich ein wenig durchgewurschtelt.

Exemplarisch möchte ich einmal ein paar der Anwendungen und Bereiche  aufzählen, die ich genutzt habe und möchte sie vorher, der Übersichthalber einmal nach meinen favorisierten Anwendungsgebieten kategorisieren:

- Information (z.B. „RSS“, „Twitter“)
- Kommunikation (z.B. „Facebook“, „Studi-VZ“)
- Präsentation (z.B. „Blog“)

Die Zuordnung der Beispiele ist einfach darauf zurückzuführen, dass ich beispielsweise „Twitter“, das durchaus auch präsentative und kommunikative Aspekte erfüllt, nur benutzt habe, um Neuigkeiten von kommerziellen Anbietern, die mich interessieren, nicht aber Privatleuten, abgerufen habe. Ähnlich gibt es natürlich unglaublich viele, hochinteressante Blogs, die eine informative Absicht verfolgen. Für mich jedoch hat die Benutzung zum überwiegenden Teil nach der obigen Zuordnung stattgefunden und ich möchte ein paar Worte über diese Erfahrungen mit euch teilen.

1. Information

Sowohl RSS als auch Twitter benutze ich, nachdem ich mich damit auseinandergesetzt und damit zurechtgefunden habe, immer noch täglich und bin nach wie vor begeistert. Beim morgendlichen Kaffee habe ich so den schnellen und auf kurze Schlagzeilen reduzierten Überblick über die Themen, die mich interessieren und ich bin innerhalb weniger Momente schon einmal vorbereitet, welche Webseiten heute ein besonderes Augenmerk verdient haben.

Anfänglich habe ich den Fehler gemacht und aus Neugierde wirklich alles was sich finden ließ und mich nur im Ansatz interessierte, in meine Liste aufgenommen, was sich nach ein paar Stunden Schlaf allerdings als grober Fehler erwies. Wenn man nach dem Aufstehen ein paar Hundert Nachrichten durchscrollen muss, dann ist es schnell mit der Übersichtlichkeit dahin. ;)

Ich fing also an, zu selektieren und damit die „Feeds & Tweets“ im überschaubaren Rahmen zu halten, denn es ging mir wie erwähnt nur um die Schlagzeilen, die mir erst einmal einen Überblick schaffen sollten. Ob ich die Schlagzeile von Spiegel-online, oder der Süddeutschen abrufe, ist erst einmal völlig egal, da braucht es nicht beides. Die Seiten der üblichen Verdächtigen werde ich eh im Laufe des Tages besucht haben. – Mein RSS-Reader ist also mittlerweile für den ersten Kulturschock des Tages „nur“ mit 8 Abos gefüllt, mein Twitteraccount, auf dem ich selbst nicht poste, verfolgt 12 Tweeds. Das ist für mich ausreichend, um einen Überblick zu haben.

Wie schon eingangs geschrieben, finde ich diese für mich neuen Möglichkeiten sehr gut und ich habe auch weiterhin vor, sie zu nutzen.

2. Kommunikation

Hierzu habe ich mir die social networks „Facebook“ und „StudiVZ“ mal etwas näher angeschaut und muss gestehen, dass ich mich an beiden eher wenig bis gar nicht beteiligt und die beiden Portale auch bereits wieder verlassen und gekündigt habe. Letzteres hatte allerdings nichts damit zu tun, dass beide Anbieter in den vergangenen Monaten und Jahren vieler Kritik und Datenmissbrauchsvorwürfen ausgesetzt gewesen sind, sondern schlicht und ergreifend daran, dass ich mit dieser Form der Kommunikation, ähnlich wie mit Chat oder SMS einfach nicht so recht viel anzufangen weiß.

Zudem muss man vielleicht einräumen, dass der Belangläufigkeitsfaktor der meisten Beiträge, die ich so gelesen habe, doch recht hoch ist. Während bei StudiVZ der überwiegende Teil der Mitglieder den Eindruck erweckt, der „Generation Teletubbie“ anzugehören und durch Albernheit, Peinlichkeit und Unfassbarkeit auffällig wird, ist der Facebookblock doch eher in der Hand von F2P-Spiele[r]n („Free to Play“), die eine Beleidigung für jeden Computerspieler der Commodore-Generation darstellen und zu großen Teilen auf langfristiger, kommerzieller Ausschlachtung basieren und nur wenig Inhalt bieten.

Immerhin hat man dann zwischendurch auch mal eine Notiz eines Bekannten, der sein Abi bestanden, seine Diplomarbeit geschrieben, oder den Urlaub in der Karibik angetreten hat, was ich durchaus als interessante und gern gelesene Info betrachte, wenn man anderweitig eben keinen Kontakt pflegt und der genannte Bekannte eben nicht nur ein „Noname“ ist, den man als Freund auf die Liste der Bekanntschaften gesetzt hat, weil er der Schwippschwager der Cousine, der ausgewanderten Tante eines ehemaligen Studienkollegens meines angeheirateten und bereits wieder geschiedenen sowie verstorbenen Onkels ist.

So viel also andere diesen Netzwerken auch abgewinnen können, für mich bleibt ein doch recht fader Geschmack nach Fast-Food-Kommunikation und gelangweilter Laptop-Generation zurück, wenn ich mich an die Tage erinnere, die ich im Kindergarten 2.0 verbracht habe. – Schade eigentlich, denn das Potenzial wäre dagewesen. Dennoch würde ich jedem empfehlen, dem fernen Bekannten, der gerade ein Auslandsstudium macht und deshalb etwas schwieriger zu erreichen ist, lieber eine eMail zu schreiben, deren inhaltlich etwas gehaltvoller ist, als diese kurzen Post-it-Zettel mit Smiley und ip-Adresse.

3. Präsentation

Natürlich gehört in den Bereich der Erkundung auch das „Bloggen“, das ich nicht nur ausprobiert habe, sondern in diesem Moment offensichtlich immer noch ausprobiere! Im Gegensatz zu einer „normalen“ Homepage finde ich das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich gelungen. Mein Anbieter gibt mir kostenlos ein sehr gutes Gerüst, das – wenn ich es nutzen wollen würde – auch Anpassungsmöglichkeiten bietet, die sich hinter einem „Homepage-Baukasten“ nicht verstecken müssen. Zudem kann ich hier, nach wenigen Einstellungen, einfach „alles laufen lassen“ und muss nicht ständig „pflegen“.

Sicherlich kann dann ein Blog auch schon mal etwas spartanischer ausfallen, so wie eben dieses hier. Wie unlängst aufgefallen ist, setze ich wenig auf Spielerein, grafische Effekte und eine klare Linie. Auch, wenn ich anfangs eine Vorstellung davon hatte, dass man Unterbereiche einführen, alles und jeden verlinken könnte und sich eine Präsenz schafft, die einer individuellen Homepage gleich kommt, so bin ich doch schleichend und von euch bemerkt dazu übergegangen, alle diese „Features“ einfach kommentarlos zu streichen.

Das Resultat ist eine Webpräsenz, die mir durchaus zusagt. Sie ist nicht reißerisch und bunt, sondern klar und kontrastreich. Sie verspricht zudem nichts, was sie eventuell nicht halten könnte, sondern unterliegt meinen Launen und kennt keinen Termindruck. Sie grenzt sich nicht selbst ein, indem sie themenbezogen ist, sondern hat für jeden noch so nichtigen Gedankenfetzen Platz – für eure und für meine.

Bislang hat es wirklich viel Spaß gemacht und ich kann jedem, der sich einmal daran ausprobieren möchte, solch ein Experiment nur empfehlen.

Danke euch und liebe Grüße,
Ingo


Cataclysm

Keine Gute Nachricht für euch politisch, musikalisch und blödtalk Interessierten! – Blizzard Entertainment hat die Betaphase für ihre dritte „World of Warcraft“ Erweiterung „Cataclysm“ gestartet und ich gehöre zu den ersten, die dieser allgemeinen Fehlersuche beiwohnen dürfen.

Zettel und Stift liegen also längst, wie auch mein altes Englisch-Deutsch-Wörterbuch, neben mir und ich freue mich darauf, als kleinstes Teilchen, als winziges Rädchen im Getriebe, dabei helfen zu können, das Produkt bis zum Releasedatum auf Herz und Nieren zu prüfen und am Erscheinungstermin ein besseres Spielerlebnis zu bieten, als es vermutlich in den ersten Versionsnummern der Fall sein wird.

Wie ich nun aus Kommentaren und eMails weiß, interessiert das die Mehrheit der hier Mitlesenden mal recht wenig bis überhaupt nicht, weshalb ich auch sogleich wieder verstumme und einfach mal die ersten Bug-Reports schreiben werde. ;)

Liebe Grüße,
Sivi Ingo!


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.